von June L. Shepard

erschienen September 2025 im Hause  27 East Books

Link zum Buch

Als Fan der Serie habe ich mich total gefreut, jetzt den 5. Band der Reihe lesen zu können.

Alle Bücher spielen auf Long Island, der Heimat der Autorin, und sind lose miteinander verwoben. Die Bücher kann man alle komplett eigenständig lesen, es gibt immer neue Hauptdarsteller und Inhalte, aber man trifft so – Inselleben halt 🙂 – zwangsläufig immer wieder auch auf Charaktere der anderen Bände, und das macht das Ganze auch irgendwie immer sehr charmant.

Wir haben jedes Mal einen Kriminalfall im Hintergrund (und ich kenne jetzt langsam die Mitglieder der verschiedenen Polizeistationen und -reviere der Insel, ich fühle mich schon „local“, echt witzig), und eine persönliche Geschichte mit einer Romance, und viel Lokalkolorit.

Dieser Roman hier fasst 500 Seiten – die Bände sind allesamt recht umfangreich, aber lassen sich super durchlesen, bzw. durchsuchten, die Autorin schreibt einfach immer flüssig und von der ersten Seite an mitreißend.

Hier nun sind wir bei Taylor Reed, einer jungen Musikerin, die von einer Karriere als Singer / Songwriterin träumt, und die trotz allem Talent ein Handicap hat: sie stottert. Nicht beim Singen, nicht wenn sie auf der Bühne steht, aber im „real life“. Das hat ihr viel Mobbing eingebracht, und so hat sie nun nur einige wenige gute Freunde und einen unspektakulären Job, bei dem sie möglichst wenig reden muss, und der große Kontrast dazu sind ihre künstlerischen Ambitionen. Aber Taylor findet ihren Weg, und wir begleiten sie in diesem Roman auf ihrem Weg, ihre Träume zu verwirklichen: gemeinsam mit ihrem Kindheitsfreund, dem Musiker Monty, entwickelt Taylor die Kunstfigur Isaak Martin, einem Dandy der roaring twenties längst vergangener Zeiten entstiegen. Als Isaak findet Taylor, wie der Klappentext schon sagt, ihre Stimme und das Gehör des Publikums. Und sie findet die Liebe, immer wieder die Liebe 🙂

Im, ich sag mal „Krimi-Teil“ des Romans, haben wir hier gleich eine komplette Mordserie. Und das ist jetzt spannend, denn es gibt hier zwar gefühlt einen Toten nach dem anderen, aber man hat nicht wirklich viel Mitleid mit den Mordopfern, denn es trifft immer Verbrecher, von denen jeder weiß, was sie getan haben, die aber durch Schlupflöcher des Gesetzes fallen und trotz allem auf freiem Fuße sind….schon bald vermuten viele einen Rächer, eine Art Robin Hood…..und das hat ungeahnte Auswüchse…..

Soviel erst mal zum Inhalt. Ich komme mal zu meinem Leseeindruck; und den habe ich jetzt erst mal ein, zwei Tage sacken lassen müssen. Ich liebe das Buch, es war erwartungsgemäß spannend, aber irgendwie ein bisschen anders als die ersten Bücher der Reihe. Ich hatte den Eindruck, das hier ist etwas persönlicher, hier liegt der Autorin echt eine Message am Herzen. Unterstelle ich jetzt mal, ist nur mein Eindruck, aber in dieser Story liegt viel Herzblut, finde ich. Zum einen die Lovestory: wir haben eigentlich in jedem Long Island Roman eine lesbische romance dabei, und hier sind wir bei Taylor aka Isaak und ihrer großen Liebe Amber. Die beiden haben – natürlich – so einige Irrungen und Wirrungen auf ihrem Wege, und zusätzlich bekommen sie auch einen ganzen Schwung gesellschaftliche Ressentiments gegen Homosexualität entgegengestellt. Eigentlich etwas, das wir – Achtung, hier meine Interpretation der Dinge, schon gesellschaftlich am Überwinden waren. Aber es weht global ein neuer Gegenwind, und den thematisiert die Autorin. Und das benennt sie teilweise auch ganz konkret, was ich echt spannend fand. Sie benennt die aktuelle Spaltung der Gesellschaft, die man hierzulande ja auch wahrnimmt, und die auf Long Island ihre Protagonisten erschüttert. Sie thematisiert Rassismus, Sexismus, Homophobie. Im Nachwort wird für alle, die es noch nicht geahnt haben, klar, dass die Autorin selbst homosexuell ist, und es gibt hier ein paar sehr berührende Worte über die Freiheit der Liebe, die eigentlich selbstverständlich sein sollte.

Subthema Rassismus: auch hier war ein Subplot, der mich echt gecatched hat; ich muss jetzt leider kurz spoilern, wir – oder vielmehr die Police Departments der Insel – haben hier die Aktivitäten einer Gruppe weißer politischer Aktivisten, die ihre Insel „säubern“ wollen von illegalen Migranten etc……und die sich die momentane Stimmung der Long Islander zugunsten des unbekannten „Robin Hood Rächers“ subtil zu Nutze machen. Mich hat dieser Erzählstrang sehr gefesselt, denn die Autorin befasst sich hier mit mit den Techniken der Propaganda von Social Media und Co., und das ist so ein Ding, dass mich persönlich auch umtreibt. Ich bin mir nicht sicher, inwiefern ich hier etwas in den Roman über-interpretiere, aber ich finde, das hier einige Sachen gut dargestellt werden. Und auch, wie sich manche social-media-Inhalte verselbständigen, und die Gemüter anheizen. Ich hab in diesem Buch so viele Stellen gefunden, die ich mir mittels Notizen und Eselsohren merken musste – und das passiert mir selten. Wenn ich das Buch noch mal durchlese, dann ist es bestimmt zer-lesen 🙂

Okay, kommen wir zu einem Fazit: lest das Buch! Vielleicht reißen Euch nur Taylor, Monty und Amber mit, vielleicht geht es euch wie mir und ihr seht überall Gesellschaftskritik. Oder hey, es gibt auch eine coole Playlist zum Buch, ganz hinten auf S. 498 (hab ich auf Spotify mal HIER zusammengebastelt), das Ganze ist ja auch eine musikalische Hommage, genießt einfach den Sound 🙂

Aber lest es 🙂

Vielen Dank an den Verlag für das wunderbare Rezensionsexemplar!

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