von Siri Hustvedt

erschienen im US-Original im Mai 2026 bei Sceptre

zeitgleich die deutsche Ausgabe bei Rowohlt Hardcover

Link zum Buch

Ich habe das Buch auf englisch gelesen, daher hier auch der englische Klappentext.

Tatsächlich habe ich mich bislang auch weder mit Siri Hustvedt noch mit Paul Auster besonders beschäftigt; ich habe von jedem der beiden mal ein, zwei Bücher gelesen, die haben mich aber nicht besonders geflashed, also ich könnte mich nicht wirklich daran erinnern. Ich bin vor kurzem aber spontan im Kino gewesen und habe den Dokumentarfilm gesehen, der Siri nach Pauls Tod begleitet hat, und der Film hat mich nun sehr berührt und interessiert…..ich hab abends dann das dazugehörige Buch, eben diese Ghost Stories, geordert und mehr oder weniger am Stück in kurzer Zeit gelesen.

Was haben wir hier? Im Prinzip eine Autobiographie der Paargeschichte Hustvedt / Auster, beides sehr erfolgreiche und preisgekrönte Schriftsteller; ein New Yorker Intellektuellenpaar; sie mit norwegischen Wurzeln. Und am 30. April 2024 ist Paul nach langwieriger Behandlung an Lungenkrebs gestorben. Siri beschreibt in diesem Buch explizit die letzten Lebensjahre Pauls mit Fokus auf die Familie Auster und verarbeitet diese Zeit literarisch.

Sie ist hierbei auch sehr detailliert; sie geht hier wirklich ans Eingemachte. In diesem Buch veröffentlicht sie sehr private Briefe, zum Beispiel die, die Paul an den neugeborenen Enkelsohn Miles geschrieben hat (die sollte dieser irgendwann mal in späteren Jahren zu lesen bekommen; ja nun – hier sind sie abgedruckt für die breite Öffentlichkeit vorab lesbar gemacht….), als auch alte Liebesbriefe, die sie selbst vor Jahrzehnten an Paul geschrieben hat.

Während Pauls letzter Lebensjahre hat Siri mit Gruppen-Mails den Freundeskreis der beiden immer auf dem Laufenden bezüglich des Standes der Behandlungen gehalten, auch dies sehr ausführlich und intim; und auch diese Mails finden ihren Abdruck hier im Buch.

Und zusätzlich erfahren wir Leser auch eine Menge nicht so glamouröser Dinge aus dem Familienleben der Austers ( der Sohn aus erster Ehe war drogensüchtig und hat den Vater und eigentlich komplett alle Familienangehörigen sehr viel Emotionen und Nerven gekostet….).

Man könnte sagen: too much information. Hätte ich wahrscheinlich vor nicht allzu langer Zeit auch so gesehen.

Aber da ich vor ein paar Monaten meinen Vater selbst an Krebs verloren habe, habe ich dieses Buch, dieses Memoir, unter völlig anderen Vorzeichen gelesen, und fühlte mich seltsam getröstet. So viele Dinge, die wir haargenau so auch erlebt haben. So viele Gedanken, die ich mir genau wie Siri auch gemacht habe. Soviel universelle Trauer. So viel Schmerz, und ich konnte ihn nachvollziehen, und hat mich abgeholt und ja – getröstet.

Von daher, ich mache es kurz, es war für mich ein Lesehighlight, ich hab das genauso zu diesem Zeitpunkt gebraucht, und das war gut so.

Joa, und jetzt hab ich mir Pauls letzten Roman, den „Baumgartner“, der kurz vor seinem Tod noch veröffentlicht wurde, natürlich auch gekauft, hahaha, mal gucken, ob er mir auch gefällt, und vielleicht lese ich auch irgendwann noch mal seine New-York-Trilogie zu ende, wer weiß 🙂

Ein sehr spezielles Buch, das normalerweise völlig an mir vorbeigegangen wäre. Aber hier bin ich nun und verteile 5 Sterne 🙂

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