von Lynn Austin
erschienen 2006 bei Francke-Buch
im US Original 1999 by Bethany House Publishers

Klappentext: „Wie bitter muss ein Geheimnis sein, dass seine Enthüllung eine Familie zerreißen würde? Auf den ersten Blick scheint das Leben von Emma, Grace und Suzanne – Mutter, Tochter und Enkelin – wie ein ruhiger Strom dahinzugleiten. Doch mit dem Umzug von Emma in ein Seniorenheim beginnt das Wasser Wellen zu schlagen. Emma steht plötzlich vor einer schweren Entscheidung. Schon um ihrer Urenkelinnen willen darf die unglücklich verheiratete Suzanne nicht dasselbe Schicksal erleiden wie sie selbst – das Schicksal einer geschiedenen, allein erziehenden Frau. Doch um eine Scheidung zu verhindern, muss Emma ganz tief hinabsteigen in den Keller ihrer bewegten Vergangenheit. Sie weiß um einen Wendepunkt in ihrer Familiengeschichte, der noch im deutschen Kaiserreich des Jahres 1894 liegt. Behutsam entrollt sich das ergreifende Schicksal von vier Generationen. Langsam begreifen die Frauen, wie sehr sie alle in ihren Entscheidungen von den Entscheidungen ihrer Mütter beeinflusst wurden – und warum ihre Mütter so wurden, wie sie waren.“
Dieses Buch war eine Empfehlung einer meiner Lesekreis-Damen – wir haben in unserem Buchklub dieses Jahr ein paar Familiensagas gelesen, und so kam dieser Tipp zustande. Ich habe das Buch dann gebraucht gekauft, wollte kurz mal reinlesen …. und bin hängengeblieben 🙂 Also habe ich jetzt diesen 700-Seiten-Schmöker „mal kurz“ dazwischengeschoben 🙂
Wir haben das Jahr 1980. Prinzipiell geht es um Grossmama Emma, die mit 80 Jahren nun ins Altenheim umzieht (wobei die Dame noch sehr fit und agil ist, das nur nebenbei), und Tochter Grace und Enkelin Suzanne ihr beim Umzug helfen. Zwangsläufig kommt man auf alte Fotos und alte Familiengeschichten, und da Suzanne sich gerade scheiden lassen will, kommen im Gespräch zwischen den dreien viele alte Themen wieder hoch. Und die nie gelöste Frage, wer eigentlich Graces biologischer Vater war, ist auch wieder ein zentraler Punkt geworden….
Der Roman ist dann so aufgebaut, dass chronologisch die Uroma Luisa ihre Geschichte erzählt, dann folgen Emmas Geschichte, dann Grace’s, und zum Schluss erzählt Suzanne. Zwischendurch immer mal ein paar Einschübe aus dem hier und jetzt, wenn Susanne und Grace auf detektivische Spurensuche gehen und die Familiengeschichte rekonstruieren wollen und die „Originalschauplätze“ besuchen. Also ein schöner Aufbau, ein gutes Storytelling, das hat mir gefallen, und anders als in vielen modernen Romanen verliert sich die Autorin hier nicht in Nebenschauplätzen, und lässt sich auch Zeit mit der Erzählung. Die Protagonistinnen haben 700 Seiten Platz – und diese Seiten verfliegen, denn der Erzählstil ist sehr flüssig.
Es geht natürlich um die Frage, warum wir so sind wie wir eben sind; und wie die Lebensgeschichten unserer Mütter uns beeinflussen. Und wieso wir dieselben Fehler wie unsere Mütter gerne wieder machen, obwohl wir doch deren Lebensentwurf eigentlich ablehnen und es ganz anders machen wollen 🙂 Heutzutage betrachten wir ja vieles unter dem Aspekt von transgenerationalem Trauma / Epigenetik und Co; und vor etwa 30 Jahren stellte man sich dieselben Fragen, hat diese aber eher unter soziologischen und psychologischen Aspekten zu beantworten versucht. Ich persönlich denke, die Antwort liegt irgendwo dazwischen. Und auf jeden Fall ist dieser Roman sehr spannend zu lesen unter diesem Aspekt,
Ein weiterer Punkt, bei dem die Protagonistinnen sich oft uneins waren und den sie viel diskutieren, war / ist der Wandel der Stellung der Frau in der Gesellschaft und in der Ehe. Hier hat mich alte Feministin persönlich vieles getriggert (so wie Suzanne 🙂 ) Andererseits triggert mich einiges aktuell auch sehr, und ich habe mich beim Lesen oft gefragt, ob wir es heutzutage wirklich besser machen…..sind wir glücklicher und zufriedener geworden? Ich bezweifle es. Ich spoiler mal, Suzanne kommt am Ende zu einem Kompromiss, der ihre Liebe retten könnte, und der sie (trotzdem ?) glücklich macht. Spannend, wie gesagt, hier gibt der Roman viele Ansatzpunkte zu guten Diskussionen.
Bevor ich den Roman jetzt über den grünen Klee anfange zu loben: das hier ist ein sehr christlich geprägtes Buch. Der amerikanische Bethany House Verlag, bei dem die Autorin veröffentlicht, ist ein christliches Verlagshaus, ich hab es gegoogelt, und das kommt hier auch extrem durch; die Autorin erscheint mir tief gläubig, und der Glaube trägt auch ihre Charaktere. Mal scheinen sie ihren Glauben zu verlieren, aber die meisten sind darin tief verankert, und man muss sich als Leser auch darauf einlassen können und wollen, sonst wird man mit der Lektüre nicht glücklich. Man muss dem nicht zustimmen, aber wer prinzipiell mit dem christlichem Glauben nichts anfangen kann, oder sagen wir anders, damit nicht konfrontiert werden möchte, wird mit diesem Roman nichts anfangen können.
Mir hat das Buch allerdings sehr gut gefallen; es hat mich berührt, ich habe es in ein paar kurzen Urlaubstagen gelesen, und es hat mich zum Nachdenken angeregt!
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Porträt
Lynn Austin
Lynn Austin ist verheiratet, hat drei erwachsene Kinder und lebt am Lake Michigan. Ihre zahlreichen Romane sind allesamt Bestseller und mit unzähligen Preisen ausgezeichnet worden. In Deutschland gilt sie als die beliebteste christliche Romanautorin.
entnommen: Thalia.de