von Mick Herron / Band 8
erschienen im Dezember 2025 im Diogenes Verlag

Klappentext: „Eine wichtige Mitarbeiterin des Premierministers verschwindet spurlos, und ausgerechnet Claude Whelan, ehemaliger MI5-Chef und als solcher Erzfeind seiner Nachfolgerin Diana Taverner, soll sie finden. Doch die Spur führt ihn direkt zurück zum Hauptquartier im Regent’s Park – und über Umwege und etliche Gehässigkeiten zu Jackson Lamb. Mit ihrer unvergleichlichen Mischung aus tiefschwarzem Humor, nerdigem Narzissmus und Chaos bringen die Slow Horses eine instabile Situation endgültig ins Wanken.“
Die „Slow Horses“, die Serie um die ausgemusterten MI5-Spione, die anstatt hochbezahlt die Welt zu retten nun unterbezahlt ausquartiert im Slough House ein ödes Angestellten-Dasein fristen, verfolge ich nun schon ein paar Jährchen mit grossem Vergnügen. Ich habe nicht alle Teile gelesen, und teils auch nicht in der „richtigen“ Reihenfolge, aber das ist prinzipiell auch nicht wichtig hier.
Nun also Band 8 hier im deutschsprachigem Raum; in UK gibt es mittlerweile aber schon Band 9, für Nachschub ist also gesorgt. Wie der Klappentext schon sagt, eine Mitarbeiterin des Premierministers ist verschwunden, eine sogenannte „Superforecasterin“ , und niemand weiß, wo sie sein könnte. Allzu viele Leute kennen Sie auch nicht, aber wenn der Geheimdienst jemanden sucht, dass tut man besser, als wüsste man genau Bescheid – und somit bläht sich die ganze Suche schon mal per se auf. Über Umwege wird auch Jackson Lamb, seines Zeichens Superhirn und Chef der abgesägten Slow Horses involviert, und man weiss: wenn Lamb an etwas dran ist, dann kommt Bewegung in die Sache. Lamb ist überall connected und ist ein Strippenzieher (und Ekelpaket) par Excellence, und wenn seine Crew auch nur annähernd einen Fall wittert, dann können die Pferde plötzlich galoppieren – ob die Richtung nun stimmt oder nicht. Und ein Slow Horse in Wallung ist nicht mehr aufzuhalten 🙂 . In diesem Band ist der Showdown wirklich grandios, es weiß zwar niemand, wer gerade gegen wen kämpft, aber verpassen will den Fight keiner 🙂
Okay, was ich an Mick Herrons Spionagegeschichten und an der Serie mag, sind eigentlich nicht so sehr die Fälle an sich, so mörderisch-spektakulär sind die nämlich nicht, aber es ist der Erzählstil. Die Dialoge sind dermaßen nerdig – sarkastisch – noir, das ist nicht mehr zu überbieten, und vor allem Lamb ist nicht zu übertreffen in der Fähigkeit, 5 mal um die Ecke zu denken und seine Fähigkeiten, andere Menschen zu lesen, deren Reaktionen hervor zu sehen und für sich auszunutzen, das macht einfach Spaß. Das ist böser Humor vom Feinsten, und sehr cool. Die Dialoge sind messerscharf und die Beleidigungen treffsicher 🙂
Auch die Protagonisten sind eine Klasse für sich. Eine Chaotengruppe wie aus dem Bilderbuch. Das gibt Situationskomik und garantiert skurrile Action.
Jetzt muss ich aber sagen: es war mir in diesem Fall tatsächlich ein wenig zu viel davon. Ein bisschen mehr „normale“ Erzählung, ein klein wenig weniger Sarkasmus, und das Buch hätte sich besser lesen lasen. Ich finde, Herron hat es hier stilistisch etwas zu weit auf die Spitze getrieben; und ich hab mir des öfteren gedacht: Mensch, weniger wäre hier mehr gewesen. Deshalb ein Stern Abzug von mir, normalerweise feiere ich jedes Buch des Autors, aber anscheinend ist der Zenit ein wenig überschritten. Es war teilweise tatsächlich etwas anstrengend gewesen.
Nichtsdestotrotz: der Roman macht Spaß, und wer Agententhriller in Kombination mit intelligentem Witz liebt, muss hier zugreifen!
Herzlichen Dank an den Diogenesverlag für das Rezensionsexemplar!