von Romy Fölck
Herausgeber : Rowohlt Wunderlich / Erscheinungstermin : 6. Oktober 2026 / Seitenzahl der Print-Ausgabe : 320 Seiten

Klappentext: „Es ist nie zu spät, dem eigenen Herzen zu folgen.
Judith fährt spontan von Hamburg nach Schweden, zurück zum Sehnsuchtsort ihrer Kindheit, auf eine Insel bei Stockholm. Ihr Mann hat sie nach fast zwanzig Jahren Ehe verlassen. Sie hofft, in dem kleinen roten Gästehaus zur Ruhe zu kommen und ihr Leben neu zu ordnen. Doch die vertraute Umgebung weckt nicht nur Nostalgie, sondern auch schmerzhafte Erinnerungen an ihre einst beste Freundin, deren Freundschaft in einer verhängnisvollen Nacht des Krebsfestes jäh zerbrach.
Doch auch Evi ist auf die Insel zurückgekehrt. Die mittlerweile bekannte Künstlerin kämpft mit einer Taubheit in ihren Händen, ein Umstand, der ihre Existenz bedroht. Als Judith und Evi sich wiedersehen, brechen alte Wunden auf.
Immer dann, wenn der Regen auf das Wasser prasselt, zieht Marga ihre Bahnen. Die alte Dame schwimmt bei Wind und Wetter, angetrieben von einem schweren Schicksalsschlag, der sie lehrte, dass Aufgeben keine Option ist. Sie erzählt Judith und Evi von ihrem Traum: Sie möchte noch einmal in ihrem Leben die Nordlichter in ihrer vollen Pracht sehen. Margas unerschütterliche Kraft zeigt den Frauen, dass es sich lohnt, für die eigenen Träume und um ihre Freundschaft zu kämpfen – egal, wie stürmisch die Zeiten sind.“

Also, zunächst einmal: dieses Buch habe ich direkt vom Verlag als Rezensionsexemplar bekommen, und zwar in einem wunderschönen farblich dazu passendem Karton verpackt mit einem Begleittext er Autorin. Fand ich total nett gemacht, super nette Geste an die Blogger – ich sage hier an dieser Stelle auch noch einmal lieben Dank an den Rowohltverlag hierfür!
Das neue Buch von Romy Fölck, einer Autorin, die ich erst vor kurzem für mich entdeckt habe – und nein, nicht aufgrund ihrer Krimis, sondern aufgrund ihrer „normalen“ Belletristik, die sie wohl auch erst seit relativ kurzer Zeit schreibt.
Ich habe mich hier vom Klappentext direkt angesprochen gefühlt. Zwei Frauen aus Deutschland– Judith und Evelin – in der Mitte des Lebens, die gerade ihr Leben komplett neu sortieren müssen, und die unabhängig voneinander auf die gleiche Idee kommen und dieses neu-Sortieren und sich-Sammeln im kleinem schwedischen Ferienort tun, in dem beide viele glückliche Sommerferien in ihrer Kindheit verbracht haben. Und klar, die beiden kennen sich von früher, sie waren mal beste Freundinnen, bis sie sich total zerstritten haben und jahrzehntelang nichts mehr voneinander hörten….und nun zufällig wieder aufeinander treffen. Selbstredend gibt es hier auch viel aus der Vergangenheit zwischen den Frauen zu klären, logisch, da gibt der Plot so einiges her.
Die Regenschwimmerin allerdings ist Marga, die dritte weibliche Hauptfigur in diesem Roman. Marga ist Mitte 70, ebenfalls aus Deutschland, und sie ist schon in den 90ern auf die schwedische Insel nahe Stockholm ausgewandert. Marga ist schon seit Jahrzehnten dabei, sich neu zu sortieren, denn ursprünglich war das neue Leben in Schweden mit Tochter und Mann geplant, bis das Schicksal zugeschlagen hat und Marga ihre Kraft daraus zieht, im Regen zu schwimmen und der Natur zu trotzen. Die 3 Frauen finden sich – und sind sich unerwartet gegenseitig eine Stütze, Hilfe und Inspiration.
Mich hat das Buch komplett abgeholt. Vielleicht weil ich grob im selben Alter bin wie Evi und Judith, und die beiden mir ein wenig Identifikationspotential liefern. Ich fand es spannend, die beiden dabei zu begleiten, wie sie ihre Lebens- und Sinnkrisen meistern. Wie sie ihre Freundschaft wiederfinden. Wie sie mit ihrer familiären Vergangenheit umgehen. Wie sie wieder in die Zukunft schauen. Hat mir sehr gut gefallen; ich fand es richtig gut erzählt. Frau Fölck ist einfach eine wunderbare Autorin, sie hat eine tolle Erzählstimme. Unaufgeregt, aber nie langatmig. Flüssig geschrieben, bildhaft beschrieben, man war auf der schwedischen Insel komplett mit dabei, und sprachlich eloquent – hat für mich alles gepasst.
Ich glaube aber, dieses Buch hat ein spezielles Zielpublikum, wir haben hier zwar durchaus grosse Gefühle und grosse Themen (Freundschaft, Ehe, Familie, Lebensträume), aber ob sich die ganz jungen Leserinnen angesprochen fühlen, wage ich zu bezweifeln, ich denke mal, das ist eher ein Roman für Frauen am Mitte 40. Wobei ich denke, das ist eh die grosse Belletristik-Zielgruppe 🙂 Aber es geht hier auch speziell um zerbrochene Träume, um die großen Umbrüche im Leben, und wie man damit umgeht – also eher nichts für die NA-Fangemeinde um die 20 :-))
Aber dies nur mal nebenbei erwähnt.
Ich schließe mal ab: ich fand es toll und habe das Buch sehr gerne und sehr schnell gelesen, von mir ist das eine grosse Leseempfehlung!
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Zusatzmaterial / Autorennterview entnommen Amazon.de:
Romy Fölck wurde 1974 in Meißen geboren. Sie studierte Jura und arbeitete viele Jahre in der Wirtschaft. Mit Mitte 30 entschied sie, ihrem Traum, Schriftstellerin zu sein, eine Chance zu geben. Sie kündigte Job und Wohnung in Leipzig und zog in den Norden. Hier lebt sie gemeinsam mit ihrem Mann in einem Haus zwischen Deichen und Apfelbäumen an der Elbe. Ihr erster Roman im Wunderlich Verlag, „Die Rückkehr der Kraniche“, stieg sofort in die SPIEGEL-Bestsellerliste ein.
Liebe Romy Fölck, wie viel von Ihren eigenen Sommerurlauben auf der schwedischen Insel Ekerö steckt in der Atmosphäre des Romans?
Ich war 2010 das erste Mal auf der Insel Ekerö, die neben Färingsö Schauplatz im Roman ist. Schon im ersten Jahr verliebte ich mich in dieses wundervolle Land, seine Weite und die unfassbar schöne Natur, in das besondere Licht über dem riesigen See und in seine entspannten Menschen. Jeden Sommer fahren mein Mann und ich dorthin, und es fühlt sich schon ein wenig wie Nachhausekommen an, weil wir einen engen Freund besuchen, der sogar Pate für eine Figur stand: für die gute Seele im Roman, Ruud. Ich ließ das Schwedengefühl, das mich so erdet, in den Roman einfließen.
Warum war Ekerö der perfekte Sehnsuchtsort, um Judith, Evi und Marga in ihrer jeweiligen Lebensmitte aufeinandertreffen zu lassen?
Alle drei Frauen haben einen Schicksalsschlag zu verkraften, jede auf ihre Weise, für jede in dem Moment eine Katastrophe, die sie straucheln lässt. Bei der Ältesten, bei Marga, liegt er dreißig Jahre zurück. Sie lebt seitdem in Schweden. Judith und Evi kämpfen mit Problemen, die ihr Leben gehörig durcheinanderwirbeln. Und auch diese beiden Mittvierzigerinnen zieht es auf diese Insel, die sie aus Kindertagen kennen, weil sie hier wieder zu sich selbst finden können. Ich weiß selbst, wie erholsam und heilend es ist, den Sommer am Mälarensee zu verbringen.
Die ältere Marga schwimmt bei jedem Wetter im See – was symbolisiert ihre unerschütterliche Kraft für die jüngeren Frauen?
Marga ist eine Frau in ihren Siebzigern, die das Leben schlimm gebeutelt hat und die ihm dennoch die Stirn bietet. Sie hat vor dreißig Jahren einen schweren Verlust erlitten, hat bei einem Unglück ihren Mann und ihre Tochter verloren. Und dennoch hat sie sich nicht aufgegeben. Marga ist für die jüngeren Frauen ein Beispiel, dass man auch in der dunkelsten Stunde die Kraft findet, in die Zukunft zu blicken und wieder Glück zu empfinden – vielleicht in einer einsamen Waldhütte am See, mit einem Fuchs als Gefährten, wie Marga.