von Michaela Baumgartner

erschienen im Februar 2023 im Gmeiner Verlag

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Die  österreichische Autorin Michaela Baumgartner ist mir auf Instagram aufgefallen, und sie sagt von sich selbst, dass sie das traditionsreiche Genre des englischen Regency-Romans um eine österreichische Variante bereichern möchte. Ich lese hin und wieder ganz gerne Regency-Romane, Noblesse oblige 😊, und fand die Idee sehr nett, mal in Wien unterwegs zu sein. Regency-Romane definiert der Cora-Verlag (ja, die Herausgeber der Heftchenromane, hahaha, das Klischee lebt 😉!) wie folgt: „Diese besonderen Romanreihen entführen Sie mit zauberhaften Liebesgeschichten in die Welt des Adels zu Beginn des 19. Jahrhunderts, in denen unsere Helden und Heldinnen sich auf eleganten Bällen bewegen.“ Aber sowas muss man auch erstmal schreiben können, und das kann die Autorin: ich war auf 300 Seiten bestens unterhalten. Wunderbar bildhaft und flüssig geschrieben, mit glaubhaften Charakteren, ja, mit erwähnten zauberhaften Liebesgeschichten, und mehr oder weniger vielen Bällen und Vergnügungen , war ich mit den Schwestern Fanny und Sophie in den Adelskreisen rund um den Wiener Hof unterwegs gewesen.

Was ich nicht so im Blick hatte: das hier ist der dritte Band rund um die adligen Schwestern, und der setzt anscheinend nahtlos da an, wo der zweite Teil aufgehört haben muss. Die Personen werden nicht mehr groß eingeführt, das hat mich das erste Kapitel etwas angestrengt, aber dann bekommt der geneigte Neueinsteiger in die Serie glücklicherweise auch alles Relevante noch erzählt. Da gibt es nämlich einiges, was vorher passiert ist, die aktuell 17jährige Fanny befindet sich nämlich gerade im Witwen-Trauerjahr, und wartet ungeduldig darauf, dass das endlich vorbei ist, und ihre Schwester Sophie, verheiratete englische Lady, erwartet gerade ihr erstes Kind. Und irgendwie läuft es bei Sophie nicht wirklich rund, sie hat Zoff mit der Schwiegermama, und in der neuen Heimat in Kent ist sie nicht wirklich angekommen. Also beschließen die Schwestern, zurück nach Wien nach Hause zur österreichischen Familie zu fahren. Hier will Sophie ihr Kind zur Welt bringen, und Fanny vertreibt sich die Zeit bis zum Ende des Trauerjahrs mit dem Einrichten ihres Blumenpalais. Und während Fanny darauf wartet, dass ihr im Ausland weilender Galan Paul wieder zurückkehrt, tritt der charismatische ungarische Magnat Graf Erdelyi in ihr Leben…..

Das sind so die Ausgangspunkte, und wir haben hier, wie sagt es der Klappentext so schön, „historischen Charme, amouröse Begegnungen und unerhörte Skandale“ – und lernen nebenbei so einiges über Blumenkunde und Botanik. Es geht hier schließlich auch um den Blumenkavalier.

Ich bin durch den Roman geflogen. Es war so schön locker-leicht geschrieben, und trotz aller Klischees, die dieses Genre halt zwangsweise mit sich bringt, gab es hier auch eine interessante Rahmenhandlung und mit Fanny und ihrer Freundin Emilia auch zumindest zwei weibliche Protagonistinnen, die nicht nur sehr sympathisch waren, sondern durchaus auch als moderne Vorbilder taugen: beides unabhängige Geister, die ein unabhängiges Leben führen wollen, und das auch durchsetzen. Ohne jetzt völligst aus dem gesellschaftlichen Rahmen ihrer Zeit zu fallen und damit ihre Glaubwürdigkeit einzubüßen.

Historisch gut recherchiert (die Autorin hat unter anderem Geschichte studiert, also war das eigentlich auch so zu erwarten) war das ein wunderbarer Ausflug ins Wien des Anfangs des 19. Jahrhunderts.

Herzlichen Dank an den Gmeiner Verlag für das Rezensionsexemplar! Hat Spaß gemacht!

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