von Emma Sternberg
als Hörbuch gelesen von Cornelia Waibel
erschienen 2025 bei Random House Audio
Länge: 9 Std 38 Min

Klappentext: „Loslassen. Auf nach Schweden. Und das Herz frei bekommen
Hanna und Moritz haben einen festen Plan: Heiraten und dann das traditionsreiche Hotel seiner Eltern übernehmen. Doch in der Nacht vor der Hochzeit packt Hanna die Panik. Will sie das alles wirklich? Hals über Kopf setzt sie sich in den Campingbus, in dem es eigentlich auf Hochzeitsreise gehen sollte, und fährt los – immer weiter nach Norden, bis nach Schweden. Sie kommt an einsame Strände, blickt über weite Felder, lässt sich den Wind um die Nase wehen und findet dann einen Stellplatz in Sommarby Strand. Iris, die alte Besitzerin des Hofs, braucht Hilfe bei der Renovierung. Eigentlich nur für ein paar Tage. Doch das Leben will es anders, und ganz langsam kommt Hanna an. Am Meer, aber nicht nur. Sondern auch bei sich …“
Mich hatte das schöne Cover angesprochen. Der Titel, und auch der Klappentext, klangen nach Abenteuer, Vanlife-Romantik, Roadtrips und Freiheit – immer her damit, ich hab zugegriffen 🙂
Ich sag jetzt gleich vorab, das Buch / die Story hat mir sehr gut gefallen, aber „Hashtag Vanlife“ und Abenteuer „living on the road“ sind zwar da, aber standen nicht so wirklich im Mittelpunkt des Geschehens, sprich, Erwartungen passionierter Camper würden jetzt hier nicht erfüllt. Dafür stehen hier Dinge wie Selbstfindung & Co. im Vordergrund – erkenne, was du wirklich bist und was du wirklich willst im Leben. Was ja auch immer wichtig ist 🙂
Kurz zum Inhalt; die Story ist aus der Ich-Perspektive von Hanna erzählt. Sie ist in ihren 30ern, kommt aus eher bescheidenen Verhältnissen, hat sich aber in der Hotelbranche hochgearbeitet, und steht kurz davor, Moritz zu ehelichen und damit auch gleich Juniorchefin eines von Münchens traditionsreichen Luxushotels zu werden, betrieben von der künftigen Schwiegerfamilie. Moritz und Hanna lieben sich, könnte alles toll sein, aber Hanna kriegt die Panik und seilt sich in der Nacht vor der Hochzeit ab – hier setzt die Geschichte auch an – und schnappt sich den Camperbus, der eigentlich für die Hochzeitsreise parat in der Tiefgarage steht. Edit: nicht, das Moritz auf Camping stehen würde, aber hier hat sich Hanna mal durchgesetzt. Ja, und dann begleiten wir Hanna auf ihrer Flucht, wenn man das mal so nennen darf, denn klar – es ist durchaus eine Flucht, aber dann halt wieder doch nicht, denn ein Verbrechen hat sie ja schließlich nicht begangen. Hanna zieht es spontan nach Norden, und irgendwann landet sie in Schweden am Meer in einer kleinen Ortschaft, wo sie sich eigentlich nur ein paar Tage hinstellen möchte …. und dann aber ihre Abreise immer wieder verschiebt. Denn da ist Iris, eine alte Dame, die nach Jahrzehnten im Ausland wieder in ihrem schwedischen Heimatdörfchen gelandet ist und die einen renovierungsbedürftigen Hof hat….und dann sind da noch Annikka, eine neue Freundin, und Philipp, ein Zimmermann, der den Frauen bei der Renovierung des Hofes hilft…..und Schritt für Schritt findet Hanna heraus, was sie eigentlich wirklich will und wo sie hingehört.
Mein Lese- / Höreindruck: Schöne Geschichte, die sich sehr gut lesen, respektive in meinem Falle anhören ließ. Angenehme Sprecherin, angenehme Stimme, hat für mich gepasst! Flüssig geschrieben und vorgetragen.
Ich finde ja generell Geschichten, in denen es darum geht, herauszufinden, wer man wirklich ist, immer sehr spannend. Wenn man merkt, das man eigentlich nur noch für andere funktioniert, irgendwelche Rollen spielt, und dann aus diesen Rollenbildern ausbricht und sich auf sich selbst besinnt – das gefällt mir. Man kann da immer auch für sich selbst was mitnehmen.
Verknüpft mit einem Roadtrip / Reisegeschichten und Reisebegegnungen finde ich derlei Erzählungen noch mal einen Ticken interessanter. Insofern hat die Autorin für mich erstmal alles richtig gemacht 🙂
Was mich persönlich jetzt nicht ganz so mitgerissen hat, waren die Charaktere generell. Hanna zum Beispiel: mit Ü30 die klassische „runaway-bride“, die ein paar Stunden vor dem Altar alles stehen und liegen lässt… naja, finde ich bei ganz jungen Frauen irgendwie überzeugender. Ab einem gewissen Alter gibt es da reifere Dinge die man machen kann….und auch dem armen versetztem Bräutigam ewig zu ghosten, obwohl sie ihn anscheinend ja liebt…hmmmm….ziemlich unerwachsen in meinen Augen. Also ich wiederhole mich, ich fand Hanna nicht so wirklich authentisch. Sie hat sehr viele innere Monologe im Roman geführt auf ihrer Selbstfindung, aber einiges war für mich nicht so ganz schlüssig….
Mit Iris konnte ich mich schon sehr viel mehr identifizieren, respektive sie nachvollziehen, aber irgendwie blieb auch sie relativ farblos. Die Dame hat einerseits ein sehr bewegtes Leben geführt – aber andererseits wurde dann doch nicht soviel davon erzählt.
Was mir so ein wenig gefehlt hat, war Tiefgang. Wo kommen die ganzen Bindungsängste her? Was kann Hanna in der Zukunft anders machen? Ja, sie hat jetzt erst mal einen Plan und neue Freunde, und sie hat zumindest erkannt, was sie definitiv nicht mehr will – aber so richtig gelöst von ihren alten Geistern hat sie sich mMn nicht so.
Für mich haben so ein paar Dinge noch offene Enden.
Andererseits: war eine gute Geschichte, hat mich durchaus abgeholt und zum Nachdenken angeregt, und vielleicht wäre zu viel Tiefgang gleich wieder zu viel der Schwere geworden.
Also, mein Fazit: interessanter Roman, Urlaubsfeeling inklusive, mit „food for thought“. Kann ich gerne weiterempfehlen!
Ich bedanke mich beim Bloggerportal des Randomhouse für das Rezensionsexemplar!