von Alexandra Huß

Neuerscheinung 2020 im hansanord Verlag

Ein düsteres Cover, ein vielversprechender Klappentext – „Eine aufwühlende Recherche, die man besser nicht gestartet hätte“ – dieser in Berlin spielende Roman war verheissungsvoll für mich als Krimi- und Thrillerfan.

Kurz zum Inhalt, Joshua von Hohenzollern, den ich so Mitte 20 einschätze, ist im Kinderheim aufgewachsen und macht sich auf die Suche nach seiner Mutter, von der er nur noch ganz verschwommene Erinnerungen hat. Ein mysteriöser Koffer führt ihn zu der ehemaligen Kommissarin Lieselotte Rilke, die allerdings an Demenz leidend im Seniorenstift weilt und gerne ihre Mitpatienten piesackt. Kurzentschlossen fliehen die beiden aus dem Stift und gehen auf Spurensuche. Lieselotte hat allerdings so ihre eigenen Dämonen aus früheren ungelösten Fällen, und alles zeigt zu einem unheilvollem Moorgebiet an der Stadtgrenze Berlins…..

Ich versuche jetzt mal möglichst ohne zu spoilern meine Meinung zu diesem Roman zusammen zu fassen, denn ich tue mich ein wenig schwer. Spannende Ausgangslage: die Suche nach vermissten Elternteilen ist immer interessant, und das auch noch in Kombi mit einer Kommissarin, die an Demenz leidet, eine vielversprechende Idee. Das Thema Demenz ist hochaktuell, und ich finde es immer cool, wenn man sich dem auch mit ein wenig Witz und Situationskomik nähert, ohne den Respekt zu den Kranken zu verlieren – mir ist während des Lesens immer der Vergleich zum Film „Honig im Kopf“ gekommen, der das genauso gut hinkriegt, wie hier die Autorin. Die Lage ist ernst, aber Lieselotte verliert den Humor nicht und wir mit ihr auch nicht.

Allerdings hatte ich so meine Probleme, überhaupt in die Story reinzukommen. Die Kapitel sind kurz, im Präsenz geschrieben, und man wird sofort in die Geschehnisse hinein geworfen. Es wird niemand gross vorgestellt, ich kam mir vor wie im Film, wo ich die ersten 10 Minuten verpasst habe, und jetzt versuche, für mich zu sortieren, wer ist hier wer und wieso. Bloss dass ich von Anfang an dabei bin. Hm. Also ich hab so 30-40 Seiten gebraucht, um mich zu sortieren, und das Buch hat nur knappe 190 Seiten.

Der zweite Erzählstrang, der sich mit Lieselottes vergangenem ungelöstem Fall beschäftigt, wird auch immer wieder eingestreut, und aus der Perspektive des damaligen Opfers erzählt. Und da habe ich auch einen Augenblick gebraucht, um das für mich zu sortieren. Dadurch, dass fast alles im Präsenz erzählt wird und ohne grosse Einführung der Personen losgelegt wird, war zwar eine atmosphärische Dichte da, aber wie gesagt, ich hatte meine Probleme, in die einzelnen Sets reinzukommen.

Für mich waren auch ein paar Dinge in sich nicht wirklich stimmig. Ich meine, da heisst einer Joshua von Hohenzollern und hat einen Siegelring von seiner Mutter, da sag ich jetzt mal spontan, so schwierig wird es nicht sein, da die noch lebende Verwandtschaft aufzuspüren. Das Findelkind Fritzchen Müller hätte da sicherlich mehr Probleme. Es waren noch ein paar mehr Kleinigkeiten, wo mir ein wenig die Glaubwürdigkeit fehlte, aber vielleicht bin ich schlicht zu pienzig.

Ja. Mein Fazit: ich bin zwiegespalten. Einerseits eine interessante Geschichte mit einer spannenden Protagonistin. Bzw. zwei interessanten Personen. Ziemlich gut auch, wie beide Erzählstränge sich am Ende zusammenweben und das Ergebnis mich dann auch noch einmal komplett überrascht hat. Also, hervorsehbar ist hier nichts, und sowas finde ich immer gut, Daumen hoch. Aber wie gesagt, ich hatte meine Probleme mit dem Erzählstil und mit ein paar Ungereimtheiten. Schade. Da hätte man echt viel mehr rausholen können.

Berlinfans werden auf alle Fälle auf ihre Kosten kommen, denn das Buch bietet viel Lokalkolorit und Berliner Flair!

Vielen Dank an dieser Stelle an den Verlag für das Rezensionsexemplar!

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