von Bastian Zach
erschienen 2026 im Gmeiner Verlag

Klappentext: „Wien 1879: Vor der Polizeidirektion wird ein abgetrennter Kopf mit lateinischer Botschaft entdeckt. Rasch gerät die Stadt in Aufruhr. Polizeichef Marx beauftragt Hieronymus, der inzwischen als Detektiv arbeitet, und dessen Freund Franz mit den Ermittlungen. Doch bald fällt der Verdacht auf ihn selbst. Die Spur führt in die Welt der Fabrikarbeiter, zum Vermächtnis des Revolutionsjahres 1848 – und zu einer finsteren Verschwörung. Während Wien dem Festumzug zur Silberhochzeit des Kaiserpaares entgegenfiebert, droht eine Katastrophe historischen Ausmaßes.“
Von Bastian Zach habe ich schon diverse historische Romane gelesen und sie allesamt echt verschlungen und geliebt, von daher habe ich mich gefreut, eine historische Krimireihe von ihm im Gmeiner-Verlag entdeckt zu haben. Die Reihe um den „Geisterfotograf“ und nebenberuflichen kuk-Ermittler Hieronymus Holstein kannte ich noch nicht und war gespannt. Normalerweise steige ich ungern irgendwann in der Mitte in eine Serie ein, hab es jetzt hier mal gewagt mit Band 5 anzufangen, und ja, hat funktioniert. Man kann hier gut auch quer einsteigen; der Kriminalfall steht im Mittelpunkt, und alles andere bekommt der Leser recht gut nebenbei erklärt und erzählt. Ich hatte zumindest nicht das Gefühl, dass mir irgendwelche Infos zur Vorgeschichte fehlen.
Hierum geht es: wir sind in Wien im Jahre 1879. Die Stadt ist in Aufregung ob der kommenden Festlichkeiten: Das Kaiserpaar Sisi und und Franz Josef feiern Silberhochzeit und ganz Wien soll mitfeiern, mit Prunkumzug und allem Drum und Dran. Der komplette Polizeiapparat ist diesbezüglich auch in Aufregung, schließlich muss die Sicherheit gewährleistet werden. Kommt einem irgendwie bekannt vor, ist heutzutage auch nicht anders 🙂 Mitten in den Vorbereitungen wird vor der Polizeidirektion ein abgetrennter Kopf mit einer lateinischen Botschaft abgelegt. Ein dubioser Mord, aber Polizeichef Marx kann sich hiermit gerade nicht auch noch befassen, also wird kurzerhand der „freie Mitarbeiter“ Hieronymus Holsten mit den Ermittlungen beauftragt. Dieser macht sich gemeinsam mit seinem Freund, dem Droschkenkutscher Franz, ans Werk, und schon bald führen die Spuren ins Milieu der ausgebeuteten Fabrikarbeiter und weiter, wie der Klappentext sagt, „zum Vermächtnis des Revolutionsjahres 1848 – und zu einer finsteren Verschwörung.“
Hieronymus und Franz decken peu a peu in höchsten Kreisen politisch motivierte Machenschaften auf, und müssen schauen, wie sie sich und die Ihren vor Attentaten und Vergeltungsanschlägen schützen….und ganz nebenbei muss die Monarchie und das Leben des Kaiserpaares bewahrt werden. Also, eigentlich müssen die beiden die Welt retten 🙂
Mein Leseeindruck und Fazit: Wie ich nicht anders erwartet habe, es war spannend! Zach schreibt sehr lebendig, und wir haben hier sehr viele Dialoge, die die Handlung vorantreiben. Gespickt teils mit Wiener Dialekt-Ausdrücken, die aber in den Fußnoten übersetzt sind, haben wir hier auch eine authentische Atmosphäre. Es sind glücklicherweise aber immer nur einzelne Wörter im Wienerischem, sprich, ansonsten ist alles „im normalen deutsch“ wunderbar lesbar. Das historische Wien erscheint mir sehr gut recherchiert, ich fand das Setting absolut stimmig und hatte das Gefühl, mitten drin zu sein im Geschehen und in der Stadt. Zusätzlich werden uns Lesern hier auch die 1848er Geschehnisse noch mal kurz dargelegt, was ich auch ganz interessant fand.
Auch die beiden Hauptermittler, Hieronymus und Franz, haben mir sehr gut gefallen. Eigentlich ein extrem unwahrscheinliches Gespann: der eine ein ehemaliger Fotograf mit Connection zum Schaustellergewerbe und Unterweltgestalten, liiert mit einer Dame, die eigentlich aus der gehobenen Wiener Gesellschaft stammt, und der andere ein kriegsversehrter Fiakerkutscher, der mit einer 6-fachen unverheirateten Mutter und Fratschlerin zusammenlebt; und alle gemeinsam einen Hof bewohnen….ein wenig seltsam anmutend – aber nun, warum nicht? Man sieht, auch das Alltagsleben der beiden Helden bietet Erzählstoff, und erzählen und fabulieren kann der Autor.
Der Roman hat mich auf jeden Fall bestens unterhalten, ich fand sowohl den Fall spannend und stimmig, und auch die ganze Cast hat mir Spaß gemacht. Cooler historischer Roman. Ich gebe alle Daumen hoch und verteile 5 von 5 Sternen 🙂
Vielen herzlichen Dank an den Verlag für das Rezensionsexemplar!