von Ewald Arenz
erschienen 2011 bei Ars Vivendi

Klappentext: „Liebe, Tod und das Geheimnis der Diamanten …
Um Reparationsforderungen der Alliierten zu umgehen, erhält Diamantenschleifer Paul van der Laan von der deutschen Reichsregierung den Geheimauftrag, eine Reihe kostbarer Rohdiamanten für den verdeckten Verkauf auf dem internationalen Markt zu schleifen. Lilli Kornfeld, Journalistin für die Berliner Illustrierte und eng verbundene Freundin seit Kindheitstagen, hat den Kontakt vermittelt. Zu gleicher Zeit wird ein ermordeter Schwarzer auf dem Balkon des Theaters am Nollendorfplatz gefunden neben seiner Leiche liegt ein Rohdiamant. Die Berliner Kommissare Schambacher und Togotzes nehmen die Ermittlungen auf und stoßen schon bald auf das Diamantenmädchen … Ewald Arenz zeichnet in seinem neuen Kriminal- und Liebesroman in duftig leichten Farben eine Kindheit im wilhelminischen Berlin der Zeppeline, der heilen bürgerlichen Welt des Grunewalds und der Matrosenanzüge. Als Gegenstück entfaltet sich das facettenreiche Bild des betriebsamen, glanzvollen Berlins der 20er-Jahre, das niemals schläft, in dem Politik und Verbrechen eng verflochten sind und das doch gleichzeitig kultureller Mittelpunkt Europas ist.“
Schon das Cover hat 1920er-Vibes mit dem coolen Auto und der stylishen Dame, und Ewald Arenz ist immer eine gute Wahl :-). Das schicke ich jetzt mal voraus, der Autor kann einfach gut schreiben, er hat einen wunderbar leichten und doch sehr eleganten Stil; seine Romane lassen sich allesamt flüssig lesen, und doch hat man das Gefühl, hier ist ein Sprachkünstler am Werk und man liest etwas Besonderes. Er hat es halt einfach drauf. Und hier natürlich auch. Das Buch selbst ist ja nicht mehr so neu, ich kannte es aber noch nicht, und da ich historische Krimis liebe und auch gerade die 1920er sehr spannend finde, habe ich spontan zugegriffen.
Generell sagt man bei Arenz – so hab ich das zumindest mal in irgendeinem Feuilleton gelesen – er schreibe entweder intelligente Belletristik (aha :-). Wie die „Alten Sorten“ zum Beispiel; oder Unterhaltung. Das „Diamantenmädchen“ ist eher die „banale“ Unterhaltung; aber ich würde sagen, das ist sehr gute, intelligente, gut recherchierte Unterhaltung. Der in Berlin spielende Krimi ist 320 Seiten dick, und wie der Klappentext schon sagt eine Mixtur aus Krimi, Lovestory, und zeitgeschichtliches Portrait einer kurzen Epoche der Weimarer Republik. Das Kaiserreich und die große Inflation sind vorbei, man leidet in Deutschland noch unter den Reparaturzahlungen an die Alliierten, und generell sind zwar Zeichen des kurzen Aufschwungs zwischen den Kriegen vorhanden, aber gesellschaftlich hat man die Folgen des verheerenden ersten Weltkrieges noch nicht verwunden. Eine ganze Generation junger Männer wurde entweder ausgelöscht oder ist traumatisiert oder körperlich versehrt wieder zuhause…..
Das ist so der Hintergrund der Geschichte, deren Heldin Lilli Kornfeld ist. Sie ist Anfang 20, stammt aus der Mittelschicht, und ist aufstrebende Reporterin. Ihren älteren Bruder Wilhelm wähnt sie verstorben an der Front, wo er gemeinsam mit dem Kindheitsfreund Paul gekämpft hat. Paul indes ist traumatisiert wieder zuhause. Paul ist Diamantenschleifer, und Lilli vermittelt ihm einen streng geheimen Regierungsauftrag: an allen Büchern und der Öffentlichkeit vorbei soll Paul Rohdiamanten schleifen, um Reparationszahlungen zu beschleunigen. Das ist der eine Erzählstrang. Ein weiterer Erzählstrang ist schnöder Mord: in einem Hotel wird die Leiche eines schwarzen Musikers entdeckt, und während die Kommissare Schambacher und Togotzkes die Identität des Toten klären, findet sich ein Diamantensplitter bei ihm. Okay, man ahnt es, die Diamanten – und Lilli im Besonderen – sind hier das verbindende Element zwischen den beiden Strängen. Wobei Lilli jetzt nicht wirklich ein „Diamantenmädchen“ ist; zumindest nicht so, wie ich es dem Titel nach erwartet hätte. Lilli als Journalistin geht auf eigene Ermittlungen, und trifft dabei immer wieder auf die beiden Kommissare und findet sich eher unfreiwillig als Spielball in der hohen Politik wieder.
Also insgesamt eine recht vielschichtige Erzählung, und ein sehr intelligent geplotteter Kriminalfall. Hat mich begeistert, hat mich abgeholt. Hat mich sehr gut unterhalten. Gut gezeichnete Charaktere; und mit Lilli im Speziellen hat Arenz eine interessante, moderne junge Frau geschaffen, die mir extrem gut gefallen hat. Ich finde es ja auch immer spannend, wenn männliche Autoren sich sehr gut in weibliche Hauptdarstellerinnen versetzen können (und umgekehrt herum natürlich auch); das war hier finde ich sehr gut gelungen.
Ich kann das Buch sehr gerne weiter empfehlen!