von Susan Sellers
erschienen 2025 im btb Verlag

Klappentext: „»Ein faszinierender Roman über die Liebe und Rivalität zweier begabter Schwestern, der Malerin Vanessa Bell und Virginia Woolf.« John Burnside
Vanessa und Virginia sind Schwestern, Freundinnen, künstlerische Kolleginnen, aber auch erbitterte Rivalinnen. Aufgewachsen mit einer distanzierten Mutter und einem strengen Vater, haben sie schon in jungen Jahren rebellische Träume: Vanessa will malen, Virginia schreiben. Nach dem Tod ihrer Eltern kaufen sich die Schwestern ein Haus in Bloomsbury, in dem sich schon bald die wichtigsten Schriftsteller, Denker und Künstler ihrer Zeit treffen. Aus der Sicht der begabten Malerin Vanessa Bell, die immer im Schatten ihrer jüngeren Schwester steht, erzählt Susan Sellers Roman einfühlsam und lebendig von den Herausforderungen weiblicher Selbstverwirklichung, von Skandalen und der Suche nach einem freieren Leben.“
Ich schätze Virginia Woolf als Literatin und feministische Vordenkerin sehr. Ich bin kein Fan aller ihrer Werke, aber habe doch viele gelesen, teils zu Universitätszeiten, teils „einfach so“. Ich habe also durchaus ein wenig Ahnung von zumindest einer der titelgebenden Protagonistinnen; mit ihrer Schwester Vanessa habe ich mich zugegebenermaßen noch nie näher beschäftigt. Ich war hier also einfach neugierig auf eine in Romanform verfasste Biographie der beiden Schwestern. Und wenn dann noch ein Originalfoto der beiden auf dem Cover prangt, bin ich gerne dabei. Und der Klappentext klingt gut 🙂
Das habe ich jetzt mal vorweg geschickt.
Das Buch selbst hat mich leider gar nicht überzeugt. Ich wollte es mögen, aber es hat mich nicht erreicht.
Geschrieben ist der Roman aus der Ich-Perspektive von Vanessa. Und lassen wir jetzt mal komplett außen vor, dass es hier um zwei berühmte Damen des ausgehenden viktorianischen Zeitalters ging, bei denen ich – wie schon eingangs erwähnt – irgendwie Informationen zu deren Biographien mir erhoffte, sagen wir einfach, es geht hier um zwei Schwestern – ja, war hier schlicht keine gut erzählte Geschichte. Vanessa „spricht“ in diesem Roman immer wieder ihre Schwester Virginia direkt an, das hier ist so eine Mischung aus Ich-Erzählung und Brief-Roman, aber immer wieder auch gespickt mit viel Dialogen der restlichen Cast. Fand ich per se stilistisch etwas holperig zu lesen, aber gut, das ist vielleicht auch mein privates Luxusproblem, andere mögen das ganz anders auffassen. Ich fand es nicht so toll. Zudem ist der Roman im Präsenz verfasst, was ich zusätzlich – und auch das ist meine persönliche Auffassung – nicht so passend fand.
Mich hat es aber auch inhaltlich nicht mitgerissen. Wir haben hier sehr viel Emotion und vergleichsweise wenig Handlung. Vanessa – respektive die Autorin – verliert sich hier ziemlich in ihrer Gefühlswelt und ihrer emotionalen Beziehung zu ihrer Schwester, und wage ein bisschen zu bezweifeln, ob das der historischen Wahrheit so nahe kommt. Ja, es ist ein Roman, ja künstlerische Freiheit etc. pp, aber wenn ich schon zwei historische Personen als Hauptcharaktere wähle, erwarte ich ein wenig mehr Fakt und weniger Fiktion. Ein Literaturverzeichnis wäre auch nett gewesen; hier haben wir im Anhang nur ein paar Dankesworte und die Erwähnung von 4 Biographien (okay, besser als nichts).
Ich glaube, die Autorin wollte der unbekannteren der beiden Woolf-Schwestern, Vanessa, zu mehr Sichtbarkeit verhelfen; was mich tatsächlich zumindest ansatzweise berührt hat, war das Ringen Vanessas um künstlerische Anerkennung als Malerin und und generelle Anerkennung als Frau in einem von Männern dominiertem Zeitalter. Dieses ständige in-Beziehung-setzen zu Virginia wäre eigentlich nicht nötig gewesen, das hat für mich den Roman auch immer wieder holperig zu lesen gemacht. Ich habe mich mehrfach gefragt, warum es hier nicht einfach nur um Vanessa Bell ging. So irre nahe standen sich die beiden ja wohl „in echt“ nicht, „best friends forever“ waren sie wohl nicht – wie auch, Virginia war Zeit ihres Lebens immer wieder schwer depressiv (das kam hier übrigens nicht so wirklich rüber).
Wie auch immer, war leider nicht meins.
Ich gebe 2,5 von 5 Sternen und bedanke mich beim Verlag für das Rezensionsexemplar.