von Elena Fischer
erscheint am 22.7.26 im Diogenesverlag

Klappentext: „Joseph ist einsam und hadert mit seinem Schicksal, nicht erst, seit seine Frau Lis mit dem gemeinsamen Sohn in die Stadt gezogen ist, weil sie den Alltag auf dem Hof nicht mehr ausgehalten hat. Wahrlich etwas Besonderes in den Sechzigerjahren auf dem Land. Zum Glück ist da noch Ada, Lis‘ ältere Schwester, mit der sich Joseph schon immer sehr verbunden fühlt. Und dann steht plötzlich die 20-jährige Birdie vor seiner Tür, geschwächt und auf der Flucht vor ihrer Familie. Lis, Ada und Birdie – sie werden ihrem eigenen, aber auch Josephs Leben eine ganz neue Richtung geben.“
Nachdem ich Frau Fischers Debütroman „Paradise Garden“ unverhofft sehr cool fand, war ich gespannt auf ihr zweites Buch; und habe mich sehr gefreut, bereits vor der Veröffentlichung eine online-Lesung der Autorin anschauen zu können, bei der die Autorin natürlich auch ein paar „fun facts“ nebenbei zum Buch erzählt hat.
„Wirf einen Schatten“ hat ein vollkommen anderes Thema / Inhalt als der Erstling; und wie der Klappentext schon sagt; wir sind in den 1960er Jahren, irgendwo im ländlichen Nirgendwo 🙂 . Hauptprotagonist ist der Bauer Joseph. Er bewirtschaftet einen relativ kleinen Hof; er ist Alleinerbe – sein Bruder Johann ist als Kind bei einem traumatischem Unfall ums Leben gekommen, und dieser Vorfall hat die Familie und Joseph tief geprägt. Joseph ist per se auch nicht der typische Bauer – er ist eher sensibel und introvertiert. Aber er liebt die Natur, er liebt die Arbeit seiner Hände, er liebt seine Tiere. Er liebt diese seine Heimat – und hier setzt der Roman ein, denn seine Frau Lis kann das irgendwann nicht mehr und zieht zurück in die Stadt. Den gemeinsamen kleinen Sohn Samuel nimmt sie mit – und lässt einen am Boden zerstörten Joseph zurück.
Aber wie heißt es im Text so schön? Zum Glück gibt es noch Ada, Lis’ ältere Schwester und Birdie, eine 20jährige junge Frau, die plötzlich bei Joseph unterkommen wird, und nach dem Motto, gemeinsam ist man weniger allein, kämpfen sich die Charaktere wieder ins Leben zurück.
Und genau das ist auf etwa 280 Seiten sehr ruhig und detailliert und mit viel Liebe für die Personen beschrieben.
Klingt recht unspektakulär; und wir haben hier auch keinen Action-Roman, sondern eher eine Geschichte, die auf leiseren Sohlen daher kommt. Mich hat sie trotzdem langsam aber sicher in den Bann gezogen, und ich habe das Buch mehr oder weniger in einem Rutsch durchgelesen. Die Autorin schreibt elegant und flüssig, man kommt bei ihr sehr schnell in einen schönen Lesefluss, und ist ganz nah bei den Protagonisten dabei.
Es ginge ihr bei diesem Buch um die Liebe, sagt die Autorin, diese spielt eine grosse Rolle im Roman. Die Liebe auf freundschaftlicher Ebene, auf familiärer Ebene, und natürlich auf romantischer Ebene – und ja, das ist ihr klischeelos gelungen. Die Liebe trägt die Figuren in diesem Buch und gibt immer wieder Kraft, weiterzumachen. Ein Buch also, das immer wieder Hoffnung sieht und macht.
Auch das Setting passt wunderbar. Die 60er Jahre waren auch eine Zeit des Aufbruchs, und vor allem in der Landwirtschaft gab es viele gravierenden Umwälzungen und Modernisierungen. Joseph ist noch ein Bauer der alten Schule; er melkt noch per Hand, er schlachtet noch alleine – und seine Frau Lis stellt irgendwann fest: das ist nicht ihr Leben. Es geht in diesem Roman auch darum, festzustellen, wer man ist und was man wirklich im Leben möchte. Manchmal braucht es etwas länger, hier klar zu sehen, bei anderen – wie Lis – geht’s schneller 🙂 . Ein immer wieder interessantes Thema in der Belletristik, hier wunderbar von Frau Fischer bearbeitet.
Viel mehr kann ich ohne spoilern nicht über die Story und das Buch verraten 🙂 , aber mir hat es viel Freude bereitet, den Roman zu lesen, und ich kann ihn sehr gerne weiterempfehlen!
Ach ja, der Titel: „Wirf einen Schatten“ ist eine Aufforderung an Joseph ganz am Ende des Buches, und hat etwas mit Fotografie zu tun 🙂 Falls sich jemand – wie ich – die ganze Zeit wundert, was das für ein merkwürdiger Titel ist. Der hat schon Sinn!
Vielen Dank an den Diogenesverlag für das Vorab-Leseexemplar!