von Mick Herron

erschienen 2025 bei Diogenes

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Mick Herron ist der Autor der genialen „Slow Horses“-Serie über die abgehalfterten MI5-Agenten, die offiziell zwar noch im Dienst sind, inoffiziell aber ausgelagert und kaltgestellt wurden, und seinen schriftstellerischen Witz habe ich bei dieser Reihe ja schon gefeiert. Nun also eine weitere Krimiserie aus Herron’s Feder, die in Oxford spielt und die private Ermittlerin Zoë Boehm im Mittelgrund hat. Musste ich lesen 🙂

Die englische Originalausgabe ist übrigens schon 2003 erschienen, sprich, die deutsche Erstausgabe von Diogenes kommt mehr als 20 Jahre später. Das ist das durchaus beim Lesen im Hinterkopf zu halten, wir sind hier ermittlungstechnisch nicht auf dem aktuellen Stand der Dinge; Anfang der Nullerjahre war die Digitalisierung noch nicht so krass wie heute.

Dies alles kurz vorweg geschickt komme ich mal kurz zum Inhalt. Wir sind im beschaulichen Oxford, und unsere Hauptprotagonistin ist Sarah Tucker, geborene Trafford. Sarah leidet unter „BHS“ – dem „bored housewife syndrom“. Oder zumindest konstatiert ihr das der unsympathische potentielle Großkunde ihres Banker-Gatten Mark, und im Kern mag er nicht ganz Unrecht haben, denn Sarah ist arbeitslos und ihre Ehe nicht so wirklich erfüllend. Eines Abends erschüttert eine Explosion die Nachbarschaft: ein angebliches Gasleck reißt ein halbes Haus weg, und 2 Personen sterben…und eine dritte, die 4jährige Dinah, wird aus den Trümmern geborgen, verschwindet dann aber spurlos. Sarah will die Kleine im Krankenhaus besuchen und wird abgewimmelt – und somit wird ihre Spürnase geweckt. Man könnte auch fast sagen, Sarah verbeißt sich in die Frage, wo Dinah sein könnte, und schon bald stellt sich heraus, das irgendetwas faul ist. Ein Kind verschwindet, und ein Netz von Verschwörungen zeigt sich. Sarah engagiert einen Privatdetektiv, und plötzlich sieht sie sich selbst in tödlicher Gefahr, und ein Katz-und-Maus-Spiel beginnt….

Mein Leseeindruck: war sehr cool. Ich sage mal, erwartungsgemäß sehr cool, denn Herron kann einfach gut schreiben, mit einer sehr spitzen Feder, sehr schwarzem Humor, mit Protagonisten, die drei mal um die Ecke denken und sich knackige Dialoge liefern. Das Actionlevel ist allzeit sehr hoch, und es gibt diverse größere und kleinere Plot-Twists, die die Spannung immer oben halten. Hat mir sehr gut gefallen, hat Spaß gemacht, war intelligent gemacht.

Der britische Geheimdienst wird aufs Korn genommen, ich hatte teils ein Dauergrinsen im Gesicht, und ich liebe einfach Herrons Zynismus.

Was ich etwas blöd fand, war die Ankündigung, dass wir hier ein Ermittlungsteam von zwei Frauen haben: Sarah und Zoë, und tatsächlich ist Zoë erst im letzten Viertel so recht in Erscheinung getreten. Wenn das eine Reihe um Zoë Boehm ist / werden soll, dann schauen wir mal, wie sich das in den folgenden Bänden gestalten wird, in diesem hier ist sie tatsächlich erst Richtung Showdown dabei.

Nicht falsch verstehen, das tut der Spannung hier generell keinen Abbruch, aber hat etwas andere Erwartungen bei mir erweckt.

Wir haben hier knappe 550 Seiten, durch die ich echt geflogen bin, von daher: top! Ich empfehle den Krimi gerne weiter!

Gibt es jetzt wohl auch auf Apple TV als Serie zum Streamen mit Emma Thompson als Zoë; sie hat hierzu auch ein interessantes Vorwort geschrieben.

Alle Daumen hoch!

Ich bedanke mich beim Diogenesverlag für das Rezensionsexemplar.

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