von Gian Sardar

erscheint 02 / 2026 bei Lake Union Publishing

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Ein vielversprechender Klappentext, ein ansprechendes Cover. Wir sind in den 30er Jahren des letzten Jahrhunderts, einer der goldenen Zeitalter Hollywoods. Die Stummfilmzeiten sind vorbei, es ist zwar alles noch schwarz-weiß, aber ansonsten herrschen Glanz und Gloria. Während die große Depression das Land im Griff hat, bietet Hollywood einen Ausweg – zumindest für die Dauer eines Filmes kann man sich in ein anderes Leben träumen. Es ist die Zeit der ganz großen Stars, und die Zeit der großen Studios. Um dem Publikum auch abseits der Filme Träume zu bieten, müssen die Stars aber auch Abstriche machen, denn die großen Studios verkaufen den Fans auch Bilder des perfekten Lebens, der perfekten Beziehung außerhalb der Leinwand. Und wenn das Leben der Leinwandhelden und -heldinnen nicht ganz so perfekt ist, wie man es gerne hätte, dann wird halt alles entsprechend zurecht gerückt: es wird „gefixt“. Und so gibt es auch einen neuen Berufszweig, den der „fixer“. Die Diva benimmt sich daneben? Der Fixer wird die Publicity schon richten und dafür sorgen, dass niemand es mitbekommt.

In den RCO Studios sind Frankie Donelly und Nico Marconi die Fixer, die das öffentliche Bild ihrer Stars im Griff haben und deren Privatleben lenken, gemeinsam mit -zig weiteren Helferlein. Dir RCO Stars in dem Roman von Gian Sardar sind June und Jack, das Liebesfilm-Traumpaar schlechthin. Von Millionen verehrt und geliebt. Leider mögen sich June und Jack privat nicht sonderlich, sie sind jeweils anderweitig glücklich liiert, aber für das Publikum mimen die beiden auch privat das Traumpaar. Für das Studio steht fest: die beiden müssen heiraten. In echt. Ob sie wollen oder nicht. Und sie wollen nicht – was jetzt witzig sein könnte, aber es ist tragisch, denn weder June noch Jack können sich aus ihrer Zwangslage befreien, und die Lage spitzt sich zu. Bis ein Mord passiert – und jetzt zeigt es sich, in weit die Fixer Hollywoods tatsächlich alles gefixed haben, um ihre Stars (scheinbar) zu beschützen…..es wird spannend, tragisch und dramatisch.

Wir als Leser gehen hier mit der jungen Frankie den Weg der Dinge. Frankie, aus höchst prekären Verhältnissen in Hollywood angekommen, liebt ihren neuen Job – Dinge fixen kann sie, und sie gibt ihr Bestes. Aber langsam und unaufhaltsam kommen ihr die Zweifel, ob das, was sie tut, ethisch und moralisch für sie passt. Und wie der Klappentext schon sagt: ein Happy End um jeden Preis hat mitunter einen extrem hohen Preis. Frankie muss sich überlegen, ob sie den Preis bezahlen will.

Was sag ich jetzt dazu? Ich bin echt etwas zwiegespalten. Einerseits super spannende Geschichte, und gut recherchiert. Über diese „Fixer“ habe ich schon öfters gelesen, und auch wenn deren goldene Zeiten schon länger vorbei sind, glaube ich doch, dass vieles auch heutzutage noch genauso läuft, und ich glaube per se keiner Glamour-Hollywood-Klatschpresse. Insofern hat mich Frankies Geschichte wieder daran erinnert, wie viel Fake News wir doch immer schon gerade in Bezug auf Stars und Sternchen serviert bekommen haben und auch bekommen werden. Die June & Jack-Geschichte hat natürlich besonders dramatisch-emotionale Momente, und durch den Kriminalfall werden wir auch noch mal extra sensibilisiert, was das freundliche Vertuschen von Ermittlungen und der Wahrheit angeht.

Ich will sagen: Coole Story, die einigen vielleicht auch mal die Augen öffnet.

Was mich nicht so mitgerissen hat, war der Erzählstil. Sehr viele kopflastige Überlegungen, sehr viele – zu viele – Gedankengänge im Stile von „was wäre wenn“. Nico und Frankie und alle ihre Kollegen, die so schlau wie Schachspieler versuchen, die Handlungen und Gedanken „ihrer“ Stars vorauszuahnen und schon im Vorfeld ihre „fixes“ zu platzieren. Das hatte irgendwann für mich zu viele Längen und ich habe mich dabei ertappt, öfters mal ein paar Seiten einfach zu überfliegen.

Es waren für meinen Geschmack recht wenig Dialoge, und somit habe ich für die meisten der Protagonisten kein richtiges Feeling entwickelt. Korrektur: mich hat eigentlich gar keiner der Charaktere richtig berührt, noch nichtmalsFrankie, und sowas finde ich schade. Ich mag gerne bei irgendjemanden mitfiebern. Ich brauche einen Held / eine Heldin mit Identifikationspotential oder zumindest zum mitfiebern, und das war hier jetzt nicht gegeben.

Von daher kürze ich mal ab: coole Grundidee, aber ich bin trotzdem nicht wirklich reingekommen in den Roman.

Aufgrund des generellem Inhalts würde ich das Buch trotzdem weiterempfehlen: Leute, glaubt nicht jedem Klatschreporter. Und lassen wir uns doch bitte nicht von jeder Journaille irgendetwas erzählen. Man weiß nie, wer die Story, die gerade die Schlagzeilen beherrscht, gefixed hat – das wussten die Leser in den 30ern nicht, und 90 Jahre später sollte man auch nicht alles unhinterfragt glauben.

Ich bedanke mich bei Netgalley und dem Verlag für das Rezensionsexemplar!

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