von Karin Rey
erschienen 2025 bei Atlantis Literatur / Schweiz

Klappentext: „Warum sie nach einem Vulkan benannt wurde, weiß Etna nicht. Explosiv ist sie eigentlich nur, wenn sie Ungerechtigkeiten aushalten muss – als Goldschmiedin geht ihr besonders das schmutzige Goldgeschäft gegen den Strich. Nur jetzt, mit Blick auf den Schwangerschaftstest, ist da ein ganz anderer Strich, der sie aufwühlt …
Svenja hingegen erstellt mit Vorliebe Listen, und noch lieber arbeitet sie ihre Listen Punkt für Punkt ab. Heute steht das Abholen der Trauringe an, denn in drei Wochen ist ihre Hochzeit geplant. Was nicht auf ihrer Liste steht? – Dass sie mit einer Goldschmiedin namens Etna einfach mal zu einem Roadtrip aufbricht.
Zwei Frauen zusammen im Auto, ihre Jugendsongs mitträllernd, unterwegs zum ersten Vaterkandidaten – denn das mit dem Kind kann Etna unmöglich allein schaffen, wo sie doch versprochen hat, all ihre Energie in faires Gold zu stecken. Bald stellen die beiden fest, dass sie weit mehr als das Geburtsjahr verbindet.
Mit viel Witz und Drive erzählt Karin Rey vom Ausbruch aus dem Unbehagen in der Welt, wie sie ist. Etwas muss sich ändern, das ist klar – und so beginnen die beiden nach einem guten Vater zu schürfen, reißen Neophyten aus und wüssten schon, wie das geht, eine faire Produktionslinie aufzuziehen. Ein engagiertes und zugleich schwereloses Debüt!“
Die Autorin sagte mit bislang nichts, und auf den Verlag bin ich eher durch Zufall gestoßen und habe deren Newsletter abonniert – und bin so auf diese Neuerscheinung aufmerksam geworden. Atlantis Literatur ist übrigens ein recht alteingesessenes Zürcher Verlagshaus, sehr schade, dass sie hier in DE relativ unbekannt sind.
Aber zurück zum Buch; der Inhalt wird schon recht gut vom Klappentext wiedergegeben, und mit den Schlagwörtern zwei Frauen auf einem spontanem Roadtrip auf der Suche nach einem Vater für Etnas ungeborenem Baby hatten sie mich eigentlich schon gecatched; das klang gut! Und soviel vorab, es ist auch gut 🙂 Sehr coole und interessante Story mit Witz und Drive.
Wir sind hier bei der etwa 30 jährigen Etna, die nach dem Vulkan benannt wurde (ihre Brüder heißen übrigens Pompeji und Cäsar…!), die nicht nur Goldschmiedin, sondern auch Aktivistin ist. Sie protestiert gegen die üblen Bedingungen beim Goldgeschäft, legt den Finger in die Wunde, und hat das Gefühl, hier gegen Windmühlen zu kämpfen. Wir als Leser lernen im Laufe des Buches auch so einiges an Hintergründen beim Goldschürfen und -gewinnen, das mal so nebenbei, fand ich recht interessant. Kriegt man normalerweise nicht mit; und die Autorin geht am Ende des Buches in einer kurzen Nachbemerkung auch noch einmal auf diese Problematik ein – ich denke, Frau Rey liegt das Thema genauso am Herzen wie ihrer Protagonistin.
Etna nun ist schwanger, und sie beschließt: das Kind braucht einen Vater. Der biologische kommt für sie nicht in Frage, aber ein sozialer Papa sollte schon da sein. Etna hat durchaus einige Kandidaten hierfür im Visier, die von ihrem Glück aber noch nichts wissen.
Svenja, ebenfalls um die 30, steht kurz vor ihrer Hochzeit mit Leo. An dem Tag, als sie die Ringe bei Etna abholt, kommen sich die beiden Frauen näher, und Svenja entscheidet sich spontan, Etna auf ihrem Roadtrip zu den potentiellen Vätern zu begleiten….
Ja. Und nun wird’s chaotisch. Zwei völlig konträre Frauen, beide aber auf einem entscheidendem Wendepunkt in ihrem Leben angekommen, gemeinsam unterwegs. Coole Ausgangssituation, und die Autorin entwickelt hier auch eine coole Story draus, die teils bizarr-urkomisch ist (auf die Idee muss man erst mal kommen, seinen Ex von vor Jahren aufzusuchen und zu fragen, ob er Vater werden will….!), aber teils auch sehr nachdenkliche Hintertöne hat. Das Büchlein hat nur rund 200 Seiten, mehr zur Story mag ich gar nicht verraten, aber soviel sei gesagt: es hat mich gefesselt. Ein mit viel Leichtigkeit, Charme und Humor geschriebenes Buch, aber wie gesagt, wir haben auch Tiefgang.
Während Svenja und Etna im hier und jetzt durch die Schweiz touren, gibt es immer auch wieder Rückblicke in Etnas Kindheit und Jugend. Zu Svenjas Leben natürlich auch, aber Etna steht im Vordergrund. An einer Stelle im Buch (S. 135) erzählt Etna, dass sie schreibt – Momente aus ihrem Leben, um Dinge zu verstehen und loszulassen. Und dass dabei ein Buch entstanden ist.
Svenja: „ Dein Buch ist also autobiographisch?“ Etna stieß sich vom Geländer ab. „In der Ich-Form ist es nicht geschrieben.“
Irgendwie hatte ich ab hier das Gefühl, das Etna zumindest im sehr weitem Sinne das literarische Alter-Ego der Autorin ist …. hm, das wäre interessant zu wissen 🙂
Aber sei es drum; mich hat das Buch bestens unterhalten und durchaus auch zum Nachdenken angeregt. Und das war echt mal wieder was, wo ich Kopfkino hatte, das könnte ich mir gut verfilmt vorstellen. Situationskomik meets social activism mit zwei weiblichen Hauptfiguren, die viel Identifikationspotential für ihre Leserinnen haben.
Ich bedanke mich sehr beim Verlag für das Rezensionsexemplar!