von Louise K.
Erschienen 2025 bei Kremayr & Scheriau

Klappentext: „Entlang der Kastanienallee verbergen sich hinter hohen Gartenzäunen elegante Villen aus dem Fin de Siécle. Hier wohnt die Oberschicht und all jene, die sich gerne dazu zählen. Ärzte und Anwältinnen, Industrielle, aber auch Zugezogene, denen der Anschluss an die erlesene Nachbarschaft auch nach Jahren noch nicht gelingen mag. Doch hinter der makellosen Fassade steht bei Weitem nicht alles zum Besten.
Ein Anwalt in finanziellen Nöten, ein Psychiater, der am Abgrund wandelt, ein Playboy, der auf Kosten seiner Frau lebt, ein Erbe, der unguten Neigungen nachgeht, ein Trafikant, der Frau und Tochter hasst oder eine arbeitslose Historikerin auf der dringenden Suche nach einem Restitutionsfall.
Sie alle sind Figuren in einem Spiel, das sich immer gefährlicher zuspitzt. Ein wohlhabendes Ehepaar in den besten Jahren beobachtet und kommentiert die Verwerfungen in der Nachbarschaft mit fatalistischem Humor. Währenddessen nehmen die Frauen in der Geschichte nach und nach ihr belangloses Schicksal selbst in die Hand.“
Ich habe bislang von der Autorin Louise K. (bzw. von diesem Pseudonym) noch nichts gelesen, und den Kremayr & Scheriau Verlag habe ich auch erst seit kurzem auf dem Schirm, aber ich muss jetzt sagen: sehr cooles Buch, ich glaube, ich befasse mich mit beiden noch mal genauer 🙂
Also, wir sind in Wien. In der Kastanienallee bei den Schönen und Reichen, bzw. bei denen, die es gerne wären. Es tummelt sich hier auf einigen wenigen Häusern eine recht illustre Gesellschaft (hinten auf den letzten Seiten gibt es noch mal ein Personenregister), die entweder recht gut von altem ererbten Geld lebt, oder dieses recht gut und effizient unter die Leute gebracht hat und nun eher schaut, wo Nachschub in größeren Mengen zeitnah und unauffällig herkommen könnte, und ja, dann haben wir auch noch ein paar Personen, die zwar arbeiten, aber kriminellen Aktivitäten nicht abgeneigt sind. Louise K. Stellt sie uns in den ersten Kapiteln allesamt nacheinander vor, und zwar pointiert, humorvoll – und teils auch mit bösen Sarkasmus. Hach – und dabei ist sie immer am besten und treffsichersten 🙂 Und so begleiten wir die Oberschicht und Möchte-gern-Oberschicht in der Kastanienallee, lernen ihre Geschichte kennen, und sehen, wie man so in der Nachbarschaft miteinander verwoben ist. Im noblen Tennisclub trifft man sich denn beispielsweise wieder: wenn Anwalt Günther „Krani“ Krawanek , der Rechtsanwalt in Nöten und Klub-Kassiere beispielsweise den nächsten großen Immobilien-Coup mit Vorstandsmitglied und Freund Hans Freyenberg plant (der selbstredend in die Hose geht, ich sag nur mal Stichwort Immobilienblase und Fehlplanung), und beide verzweifelt überlegen, wo man jetzt schnellstmöglich Geld herkriegt, um den finanziellen Ruin abzuwenden; oder wo Trafikant Hermann Hartl die Zeitungen arrangiert und seine Ohren und Augen offen hält, um nichts zu verpassen, was nach schnellem Geld ausschaut….. Ja, allzu liebevoll geht die Autorin mit ihren männlichen Protagonisten nicht um, dafür wissen wir Leser aber auch recht bald, was die Cast so umtreibt. Und so bröckelt für uns Leser auch recht schnell die Fassade. Ein Großteil der Ehefrauen hat denn auch schon lange mit den Männern der Kastanienallee abgeschlossen hat, und wir fühlen fast zwangsweise auch völlig mit den Damen mit, wenn diese beginnen, sich aktiv von den Herren zu lösen. Und aktiv ist aktiv 🙂 Wie steht es in der Coverinnenseite so schön? „…in der illustren Kastanienallee beginnen die Dinge aus dem Ruder zu laufen (…)“. Irgendwann hat auch die geduldigste Gattin die Faxen dick, und dann sollte sich der dazugehörige Ehegespons warm anziehen 🙂
Viel mehr sollte und kann man hier zum Inhalt eigentlich nicht verraten, ohne zu spoilern. Wir haben hier eine auktoriale Erzählerin, die wie gesagt treffsicher und teils satirisch-makaber erzählen kann. Die Kapitel sind teils relativ kurz, und immer recht episodenhaft; mir kam es beim Lesen teils so vor wie früher in den Tageszeiten diese Fortsetzungsromane: betitelt meist mit dem Namen des jeweiligen im Vordergrund stehenden Protagonisten, und das Geschehen knackig auf den Punkt gebracht. Und wenn man mal einen Teil verpasst hat, war es auch nicht weiter tragisch, man konnte trotzdem wunderbar wieder einsteigen. Daily soap mäßig (und ich meine das positiv!). Die Autorin hat wohl lange Jahre Kolumnen in Tageszeitungen geschrieben, und das merkt man hier.
Also, sehr flüssig geschrieben, und man kann wunderbar durch das Buch fliegen. Es ist höchst vergnüglich und so nach dem ersten Viertel kennt man alle Protagonisten und ab dem Zeitpunkt will man eigentlich nur noch wissen, wie es weitergeht. Was diese bizarre Gesellschaft jetzt schon wieder anstellt – und ob sie damit durchkommen….ha! Und natürlich: wie schlagen die Ladies zurück?
Mir hat dieses Buch echt gut gefallen. Sehr cool für zwischendurch zu lesen.
….und übrigens sieht das Buch auch sehr stilvoll aus: Hardcover, Leinenbändchen, sehr seriöse Goldprägung, schöner Titel….ein Buch, mit dem man im Tennisclub auf der Bank bella figura und einen intellektuellen Eindruck machen könnte. Falls man dort nicht Tennis spielen möchte, sondern lieber gesehen werden will. Soll ja durchaus Leute geben, die das möchten 🙂
Ich bin gespannt auf den Nachfolgeband, an dem die Autorin schon arbeitet. Schließlich gibt es einen kleinen Cliffhanger (wo ist der Koffer von Heidi Hartl hin? Das ist wichtig zu wissen!), und ich brauche Lösungen!
Vielen Dank an die Agentur Buchcontact und den Verlag für dieses sehr vergnügliche Rezensionsexemplar!