von Heidi Niederhauser
erschienen 2026 im Neptunverlag


Klappentext: „Tod auf Gedeihen im Dahliengarten Der gesundheitlich angeschlagene und koffeinsüchtige Ermittler Lüdi wird vom Polizeidienst freigestellt. Als die Tochter des Gärtners leblos in einem Dahlienfeld gefunden wird, ermittelt er auf eigene Faust. Das Unheil braut sich wie schwarze Gewitterwolken zusammen. Im Dorf ereignen sich in kurzer Zeit weitere Todesfälle. Treibt ein Serientäter sein Unwesen? Wird sich die Geschichte als ein Komplott herausstellen oder ist es vielmehr ein unglücklicher Zufall? Ermittler Lüdi gerät in den Strudel düsterer Ereignisse. Der dramatische Krimi aus dem Emmental mit unerwarteten Wendungen.“
Die Autorin kommt aus dem Emmental, und hat ihren ersten Regionalkrimi veröffentlicht. Ich mag dieses Genre sehr gerne, und auch den „cozy crime“ mag ich, das Emmental kenne ich noch nicht; also von daher habe ich zugegriffen 🙂
Und bevor ich jetzt zum Inhalt komme, erst mal kurz was zum Papier, zur Haptik und anderen Dingen: wir haben hier ein broschiertes Taschenbuch mit sehr schön reinweißem, glattem hochwertigem Papier. Muss ich jetzt echt mal vorneweg positiv herausstellen, das hat mir echt gut gefallen, sehr schön anzufassen, sehr gut lesbar, mit vielen netten kleinen Illustrationen. Kenne ich so eher von Sachbüchern; wirklich qualitativ gut gemacht.
So, und hierum geht’s: In der lokalen Gärtnerei gibt es einen Mord. Die Tochter des Hauses wird leblos in den Dahlienbeeten gefunden. Natürlich kommt die lokale Polizei an, allerdings ist unser Held der aktuell vom Dienst freigestellte Polizist Lüdi. Lüdi ist speziell: er ist schon schlau und durchaus ein talentierter Ermittler, allerdings nicht eben ein enthusiastischer Beamter, denn eigentlich geht er lieber Angeln und kümmert sich um seine Work-Life-Balance (meine Worte, nicht die der Autorin 🙂 ). Außerdem ist er gerade ein wenig außer seiner Balance, denn Lebensgefährtin Lea, die Tochter des Polizeichefs, hat ihn gerade verlassen, und die Dackeldame Leila, für die er das Sorgerecht übernommen hat, ist verstorben … es läuft gerade nicht so gut für Lüdi. Doch hier jetzt ist sein Instinkt erwacht, und ein wenig ermitteln auf eigene Faust kann ja nicht schaden, vor allem, wenn ein Fall vor der Haustür passiert.
Lüdi legt also los und bemerkt sehr bald, dass der Fall ziemlich weite Kreise zieht und durchaus politisch-wirtschaftlich mafiös wird…..
Viel mehr mag ich gar nicht zum Inhalt sagen, alles andere wäre spoilern 🙂 , vor allem, weil der Krimi nur schmale 176 Seiten lang ist.
Zu meinem Leseeindruck: einiges fand ich hier sehr cool gemacht, einiges weniger. Ich fang mal mit den positiven Dingen an:
- viele super kurze Kapitel, die aber auf den Punkt waren. Die Kapitel haben auch tragfähige Überschriften, und das mag ich lieber als schnöde Durchnummerierung
- allzeit hohes Action-level. Eigentlich klar, auf den wenigen Seiten muss dann auch ständig was passieren, und das macht die Autorin super; man ist als Leser ständig in Wallung und live dabei
- flüssiger angenehmer Stil. Ich bin durch den Roman geflogen. Hat sich echt gut lesen lassen
- es gab sehr viele Leute, die aber trotzdem allesamt ein Profil hatten. Also nochmals: für die wenigen Seiten hat man als Leser trotzdem eine recht genaue Vorstellung von den Protagonisten.
- Ein echt intelligenter weitreichender Fall
….und hiermit mache ich dann die Schleife zu den für mich eher negativen Dingen:
- ja. Ein intelligenter, weitreichender Fall – und der hätte es verdient, ausführlicher dargelegt zu werden. Hier steckt echt viel drin, aber es wurde super komprimiert dargestellt, fand ich, und teils war es zu viel der Komprimierung. Ich hätte da gerne noch mehr Hintergründe gehabt (wieso weshalb warum lief das so mit den Strucatelli-Brüdern?). Oder die ganze Energie-Geschichte um Wilhelms Firma; das war mir auch irgendwie zu kurz und knapp abgefasst.
- Die Auflösung(en) kamen mir zu simpel daher. Da wurde am Ende nicht mehr viel ermittelt, da sind dem guten Lüdi die Lösungen auf dem Präsentierteller serviert worden. Das fand ich echt schade. Ich sag es ja selten, aber in diesem Fall gab es keine Längen, sondern im Gegenteil, es war vieles zu kurz, ich finde, da hätte man einen soliden Krimi mit doppelt so viel Seiten draus bauen können, und das Spannungslevel wäre trotzdem da gewesen, denn Schreiben kann Frau Niederhauser zweifelsohne.
- Ja, und mein persönliches Luxusproblem: was war das denn für ein Ende? Lüdi fällt vor Lea auf die Knie – und dann –?? Ende? Absolutes Fini? Und für den Nachfolgeband ist Lea als Hauptermittlerin angekündigt? Hm. Wo ich mich gerade so für Lüdi erwärmt habe. Sehr bedauerlich.
Ich ziehe mal ein persönliches Fazit und verteile 3,5 von 5 Sternen und bedanke mich sehr für das Rezensionsexemplar, es hat Spaß gemacht!