von Lia Scott
erschienen Dezember 2025 bei Tinte & Feder / Amazon Imprint


Klappentext: „Die Fortsetzung der fesselnden Saga von SPIEGEL-Bestsellerautorin Lia Scott. Die mitreißende Geschichte um June und Franky geht weiter.
Yorkshire, 1868: June hat die wunderschönen Craven Dales verlassen, um in einer Spinnerei Geld für ihre kranke Schwester zu verdienen – auch wenn der irische Wollsortierer Franky sie am liebsten direkt zurück nach Hause schicken würde. In der Industriestadt Bradford wird Kammgarn für die ganze Welt gefertigt: Doch den Preis für den Reichtum zahlen die Arbeiterfamilien, die unter schlimmsten Bedingungen arbeiten und leben.
June will nicht länger zusehen. Um gegen das Elend zu kämpfen, fasst sie ihr Wissen über die Vermeidung von Krankheiten in Aufklärungsartikeln zusammen und findet in dem idealistischen Journalisten Jacob Ford einen Verbündeten, um sie zu veröffentlichen. Die beiden verbindet die Leidenschaft für eine gerechtere Welt und sie verbringen mehr und mehr Zeit miteinander. Gleichzeitig ist da immer noch Franky – doch er ringt mit einer tiefen Schuld und hat sich geschworen, nie wieder eine Frau zu berühren …“
Dies hier ist der zweite und vorerst letzte Teil der historischen Yorkshire-Saga von Lia Scott. Die Autorin ist eine meine Lieblingsschriftstellerinnen und natürlich habe ich den ersten Band auch gelesen, und ich muss hierzu sagen, es empfiehlt sich auch, mit Band 1 zu beginnen, um die Vorgeschichte zu kennen, weshalb sich June überhaupt aus den malerischen dörflichen Hügeln Yorkshires in die versmogte Industriestadt Bradford begibt, und wie sie zu Frankie steht, den sie dort unverhofft wiedersieht. Es wird zwar einiges in diesem Band dazu erzählt, man kommt bestimmt auch so klar, aber die ganze Story zu kennen, ist mit Sicherheit netter.
Also, wir sind in Bradford, der damaligen Weltstadt des Kammgarns, und so ziemlich jeder Arbeiter der Stadt geht in einer der Wollfabriken sein mageres Gehalt verdienen. Wie der Klappentext schon sagt, die Arbeitsbedingungen zu diesen Zeiten Mitte / Ende des 19. Jahrhunderts sind schlimm; Kinderarbeit ist an der Tagesordnung, die Arbeitskräfte aller werden ausgebeutet, und die hygienischen Bedingungen in der Stadt sind generell, sagen wir, grenzwertig. June findet sich hier anfangs nur schwer zurecht, doch sie ist eine starke junge Frau, eine Kämpfernatur, und sie möchte etwas verändern. Gemeinsam mit dem idealistischem Reporter Jacob findet sie hier ihre Stimme und aus ihren Bemühungen, im kleinen Kreis im unmittelbaren Umfeld zu helfen entwickelt sich durchaus etwas viel Größeres, als June beginnt, im lokalen „Observer“ eine Kolumne mit aufklärerischen Artikeln zu veröffentlichen…..ach ja, und dann ist da ja noch Frankie, der eine unwiderstehliche Anziehungskraft auf sie ausübt….. 🙂
Mein Leseeindruck: wieder wunderbar geschrieben, solide historisch recherchiert und mit fundiertem Hintergrundwissen aufgebaut. Das Setting, die Atmosphäre sind naturgegebenermassen hier eher etwas düster – eine Industriestadt zu diesen Zeiten ist per se ziemlich unromantisch und die Autorin gibt das hier auch ungeschönt wieder. Das macht die Geschichte aber auch spannend und atmosphärisch dicht. Trotzdem ist dies natürlich keine düstere Geschichte; wir sind hier ganz nah dran bei June und ihren Emotionen, ihren neuen Freundschaften und den positiven Dingen: so arm sie auch sein mögen, die Menschen halten durchaus auch zusammen und unterstützen sich gegenseitig – zumindest die in Junes unmittelbarer Umgebung 🙂 Es gibt auch sehr viele warmherzige Momente, und auch – jaaaa! – Romantik. Allerdings ist die Romantik hier eher zweitrangig, das hier ist keine klassische Lovestory. Und finden sich am Ende auch die, von denen man es erwartet? Hmmmm, für mich kam das Ende nun doch eher unerwartet, wenn auch für den Roman sehr stimmig. Lässt auf jeden Fall noch Raum für eine Fortsetzung, auch wenn die Autorin vorerst keine hierzu angekündigt hat.
Mich hat der Roman wieder sehr berührt und mitgerissen, ich habe die Geschichte sehr gerne gelesen. Authentische Charaktere und eine spannende Story.
Vielen Dank liebe Lia für das Rezensionsexemplar, es war mir ein Vergnügen!