von F. Scott Fitzgerald

erschienen 2021 im Diogenesverlag

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F. Scott Fitzgerald schrieb nicht nur Romane, sondern auch viele Kurzgeschichten, die in diversen amerikanischen Journalen und Zeitungen veröffentlicht wurden, teils auch als Fortsetzungsgeschichten. In diesem Sammelband sind nun 7 dieser Geschichten zusammengestellt worden, die ihre US Erstveröffentlichungen allesamt zwischen 1920 und 1930 hatten, und auf deutsch aber auch allesamt erst zwischen 1972 und 2009; die meisten tatsächlich erst 2009. Also relativ neues Material und Lesefutter auf dem deutschsprachigem Markt.

Das Büchlein ist in der „Diogenes de Luxe“ Reihe erschienen, mit Leineneinband, Lesebändchen und Goldprägung auf dem Cover, also wirklich haptisch und optisch luxuriös und ansprechend gemacht, Superschönes Cover mit goldenen Pfauenfedern – dem 20ies must-have Accessoire des modebewussten Flappergirls 🙂 . Die Optik folgt also dem Inhalt: es geht in den Stories hauptsächlich um die Parties der „Roaring Twenties“, bei denen man eigentlich gleich Bilder von opulenten Gatsby-Style-Festivitäten der oberen US Gesellschaftsschicht vor Augen hat.

Die Geschichten sind unterschiedlich lang, zwischen 20 Seiten („The Baby Party“) und 90 („May Day“), und dementsprechend haben die jeweiligen Protagonisten auch Zeit,sich zu entfalten – oder eben auch nicht so sehr. Der Sammelband hier reiht die Geschichten auch ohne weitere Kommentare schlicht aneinander, und am Ende haben wir auch nur eine kurze Übersicht bezüglich der Ersterscheinungen und der jeweiligen Übersetzer. Das ist jetzt ein bisschen mein Kritikpunkt, ich hätte mir hier ein wenig mehr Hintergrundinfo, ein wenig mehr Worte der Herausgeber gewünscht; ein Vorwort oder Nachwort wäre nett gewesen. Ich bin selbst tatsächlich Fitzgerald-Fan, und gerade zu Scott und Zelda gibt es unglaublich viel Infos, auch super viel Autobiographisches, zu deren Leben, ihrer Beziehung, und ihrem künstlerischem Schaffen, das wäre interessant gewesen, wenn gerade auch mit heutigem Wissensstand zu den beiden hier mehr zu erfahren gewesen wäre.

Es ist ja immer wieder auch die Debatte, wer von beiden – Scott oder Zelda – tatsächlich die schriftstellerische Oberhand hatte, denn vieles hat ja nachgewiesenermaßen Zelda geschrieben, wurde aber dann unter Scotts Namen veröffentlicht. Das war wohl auch ein Dauerproblem zwischen den beiden, dass Zeldas Talent nie richtig öffentlich anerkannt wurde, weil einfach Zeitungen und Verlage für Manuskripte weiblicher Autorinnen nur einen Bruchteil dessen bezahlt haben, was sie für dasselbe Manuskript zahlten, wenn es ein Mann einreichte. Das Pay-Gender-Gap lässt grüßen. Und ein Paar wie die Fitzgeralds, die permanent finanziell über ihre Verhältnisse lebten und feierten, war zwangsweise klar, wer den Paycheck dann bekam….Spoiler alert, Zelda war es nicht.

Ich persönlich finde, man kann gerade bei den Kurzgeschichten oftmals stilistisch durchaus halbwegs unterscheiden, wer von beiden der Urheber war; oder drücken wir es anders aus, ich als Leserin habe tatsächlich oft den Eindruck, dass hier zwei verschiedene Autoren am Werk waren, die auch teils eine andere Wortwahl hatten; und das ist so der Punkt, dazu hätte ich vom Herausgeber gerne etwas mehr erfahren. Okay, aber das ist nur mein persönliches Empfinden (oder mein Luxusproblem 🙂 ).

Abgesehen davon: Wir haben hier eine gute Auswahl an unterhaltsamen Stories, denn Schreiben konnten alle beide Fitzgeralds. Ich finde den Zeitgeist immer gut eingefangen, ich habe immer Kopfkino, die Atmosphäre und das Setting sind immer dicht und holen mich ab. Und trotz aller Partystimmung blitzt auch permanent das Traurige, Melancholische der damaligen Zeit durch; es war ja längst nicht alles Gold, was glänzt, und viele Parties wurden gefeiert, um die Nachkriegstraumata erträglicher zu machen. Wir haben hier durchaus auch Gesellschaftskritik, und wir haben nicht nur reiche Partypeople, sondern immer auch wieder „abgewrackte“ Protagonisten vom unteren Ende der Gesellschaft, die verloren und abgehängt sind.

Von daher: eine sehr unterhaltsame Lektüre, und ich habe die Geschichten sehr gerne gelesen!

Vielen Dank an den Diogenesverlag für das Rezensionsexemplar!


Porträt

F. Scott Fitzgerald

F. Scott Fitzgerald, 1896 in St. Paul (Minnesota) geboren, wurde schon mit seinem ersten Roman, ›Diesseits vom Paradies‹, auf einen Schlag berühmt und stand mit seiner Frau Zelda im Mittelpunkt von Glanz und Glimmer. ›Der große Gatsby‹, sein heute meistgelesenes Buch, war jedoch ein finanzieller Flop. Um Geld zu verdienen, ging Fitzgerald 1937 als Drehbuchautor nach Hollywood, wo er 1940 starb.

  • entnommen: Thalia.de

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