von Audrey Niffenegger

aus dem Amerikanischen von Brigitte Jakoben

erschienen 2005 im FISCHER Taschenbuch Verlag

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Dieses Buch ist die nächste Lektüre in meinem Buchklub, daher habe ich es mir zugelegt; und ich fand eigentlich schön länger, dass der Klappentext verheißungsvoll klingt und das Cover eine gewisse ätherische Schönheit hat. Ich hab generell ein Faible für Zeitreisegeschichten – also ich war positiv gespannt. Und bin nun ein wenig ratlos…..

Also kurz zum Inhalt, denn das ist keine „Standard-Zeitreise-Story“, wo wir einen Protagonisten haben, der eine spannende Reise wahlweise in die Zukunft oder in die Vergangenheit macht und dort mehr oder weniger spannende Abenteuer erlebt, das hier ist anders. Und Achtung, ich spoilere jetzt, also wer das Buch noch nicht kennt, bitte nicht weiterlesen.

Wir haben Henry, der einen genetischen Defekt hat, welcher dafür verantwortlich ist, dass er permanent und unerwartet aus der Zeit fällt. Ihm wird übel, und schwupps, weg ist er. Mitnehmen kann er nichts, weder in die eine Richtung, noch in die andere, das heißt, wo immer er auch auftaucht, er liegt erst mal splitterfasernackt am Boden. Das bedeutet, seine allererste Mission, egal wo er hinfällt, ist immer die Suche nach Kleidung; und da ist er nicht wählerisch geworden mit der Zeit. Diebstahl, Raub, egal. Und da Henry irgendwie immer entlang seines eigenen Lebens durch die Zeit fällt, hat er mit der Zeit auch diverse Klamottendepots errichtet – man wird ja erfinderisch.

Und wir haben Clare, biologisch 8 Jahre jünger als er, die, wie der Titel schon sagt, seine Frau sein wird, die eine einzige große wahre Liebe, die sich durch beider Leben zieht. Das erste Treffen der beiden findet dann statt, als Henry über 30 ist und Clare zarte 6 Jahre – Henry landet im Garten ihrer Familie. Die Kapitel sind übrigens alle betitelt mit dem jeweiligen Alter der beiden und dem Datum des Aufeinandertreffens, und dann erzählen abwechselnd Clare und Henry von dieser Begegnung. Erzähltechnisch also ziemlich originell, und von der Idee her auch ziemlich originell. Allerdings hat es mich jetzt nicht wirklich abgeholt. Ich fand es einerseits relativ schwierig, dem generellem Zeitstrang zu folgen; dadurch, dass Henry sowohl nach vorne als auch zurück in der Zeit gehüpft ist und sich durchaus auch öfters selbst begegnet ist, fand ich es etwas verwirrend, die Ereignisse für mich zu sortieren…..einmal kannte er Clare schon seit Ewigkeiten, dann mal wieder nicht und sie hat ihn erwartet und erkannt, bloß beruhte das dann auch mal nicht auf Gegenseitigkeit. Also, auch wenn ich mich wiederhole, ich habe das nicht als durchgehend logisch stringent empfunden.

Und es gab diverse Sachen, mit denen ich echt Probleme hatte:

→ der „alte“ Henry“, der auf die kindliche Clare trifft, und die komplett vertrauenswürdig auf ihn zukommt und schon im Kindheitsalter weiß: Henry ist ihr Mann. Die große Liebe ihres Lebens. Komme was wolle, sie spart sich auf für ihn. Ernsthaft?

→ manchmal kommt Henry nicht umhin, Zeitgenossen über sein „Problem“ aufzuklären – und die sind erst skeptisch, dann aber ausnahmslos hilfsbereit. Also ehrlich, wenn mein Nachbar mir sein unerwartetes nacktes Auftauchen mit einem Zeitreise-Gen erklärt, hm, ich glaube, meine Reaktion würde anders ausfallen…und ich halte mich schon für phantasievoll und tolerant.

→ Alba, die Tochter der beiden, erbt dieses Zeitreise-Gen, und findet das aber toll und interessant. Ja, ist sicherlich toll. Aber wenn ich mir vorstelle, dass ein Mädchen, eine Frau, permanent komplett nackt irgendwo aufkreuzt – Himmel, das will ich mir gar nicht weiter ausmalen. Das tut die Autorin auch nicht, muss man ihr lassen; aber da bin ich phantasiebegabt genug, um mir auszumalen, das geht nicht lange gut. Es geht übrigens des Öfteren auch für Henry nicht so wirklich gut, von unschönen Erlebnissen kann auch er ein Lied singen….

Ja, und somit ist der Roman für mich irgendwie nicht in der Sparte Liebesroman angekommen, in der er angekündigt wird. Das „Staunen der Sehnsucht“ vom Klappentext ist bei mir auch nicht so recht angekommen. Die beiden Protagonisten versichern sich zwar immer wieder ihrer Gefühle zueinander, aber es kam bei mir nicht so recht an.

Das macht es mir schwierig, über den Roman ein abschließendes Urteil zu finden. Es war originell, es war spannend genug, um mich bis zum Schluss bei der Stange zu halten, es war flüssig geschrieben (oder wir hatten eine sehr gute Übersetzung 🙂 ), aber ich habe zu oft den Kopf geschüttelt über viele Dinge und Geschehnisse, als dass es für mich eine Ode an die Liebe gewesen wäre.

Der Roman ist übrigens auch verfilmt worden; den Spielfilm dazu sehe ich mir die Tage an, und eine Streaming-TV-Miniserie gibt es mittlerweile auch schon. Das Buch wurde lange Jahre sehr gefeiert; nun ja,ich kenne es jetzt auch, würde es aber nicht unbedingt hypen. War interessant, nicht schlecht, aber hat meinen Nerv jetzt nicht getroffen. Bin sehr gespannt,was meine Buchklub-Damen demnächst dazu sagen 🙂

Ich gebe 3,5 von 5 Sternen.

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