von Günter Neuwirth
erschienen 2026 im Gmeiner-Verlag

Klappentext: „Baronin Luise von Callenhoff lädt zur Sommerfrische in ihre Villa. Im adriatischen Frühsommer, umgeben von Pinien und der rauen Schönheit des Triester Karsts, verbringen drei Frauen und drei Männer wonnige Tage. Sie speisen, trinken und tanzen, wandern und baden im Meer. Inspector Bruno Zabini ist einer von Luises Gästen und überrascht von der freizügigen Leichtigkeit, mit der die Gäste unter Luises Führung die Konventionen der k.u.k. Gesellschaft brechen. Was keiner ahnt: Die illustre Gesellschaft wird von argwöhnischen Augen beobachtet.“
Ich liebe ja historische Krimis, und speziell diese Epoche, die Ära kurz vor Ausbruch des erste Weltkriegs, finde ich spannend. In Kombi mit einem Setting im an der Adria, und ich bin schon mal interessiert 🙂 Schönes Cover – ich habe geordert 🙂 Ich habe erst danach festgestellt, dass es sich hier um Band 6 einer Reihe handelt, aber um es gleich vorab zu sagen, man kann hier auch als Leser quer einsteigen, das hat für mich hier gepasst. Ich hatte nicht das Gefühl, etwas verpasst zu haben, man bekommt alles Relevante bezüglich der Protagonisten erzählt, und jeder band scheint in sich abgeschlossen zu sein.
So, hierum geht es (und Achtung, ich werde ein klein wenig spoilern, sorry) : wir sind im Sommer 1908 in der Nähe von Triest, damals noch zugehörig zu Österreich-Ungarn, man spricht deutsch, aber auch italienisch (heute ist Triest italienisch; liegt wenige Km entfernt der slowenischen Grenze, also schon fast Balkan; nur so zur Einordnung). Wir sind in der Sommerfrische, zu der die Baronin Luise von Callendorf eingeladen hat. Und jetzt sag ich gleich, diese Sommerfrische hat es in sich. Das Personal hat Ausgang, und es treffen sich hier 3 befreundete Paare ein, die ein paar sehr unbeschwerte Ferientage verleben möchten. Der Klappentext nennt es „freizügige Leichtigkeit“, ich würde mal sagen, es sind sehr erotische und teils sehr explizit erotisch beschriebene Tage eines hedonistischen Gespannes, das sich aus Noblesse, Theatermenschen und dem Inspektor Zabini zusammensetzt. Also ein ungewöhnliches Team von Protagonisten, um es salopp zu sagen, und ein ungewöhnlicher Hintergrund zu einem Kriminalfall. Allerdings ist diese illustre Gesellschaft nicht nur vergnügungssüchtig, sondern – und das hat mir wiederum sehr gut gefallen – es sind auch sehr viele Gedanken und Gespräche, die sich zwischen den einzelnen Protas entspannen, die einen eher ernsten und „seriösen“ Hintergrund haben: Gastgeberin Luise ist häuslicher Gewalt und einem Aufenthalt in einer Nervenklinik entkommen (der Gatte starb freundlicherweise), und (er)-findet sich neu in ihrem Heilungsprozess, und ein Paar der Gästeschaft steht kurz vor der Hochzeit und steckt für sich die Richtlinien des Zusammenlebens ab. Ich erwähn das, weil ich es extrem cool fand, wenn man sich diverse Ideen vor und nicht nach der Eheschließung macht und diese respektvoll und ehrlich ausdiskutiert….das würde sehr vielen Beziehungen sehr gut tun….. Ja, aber zurück zur Geschichte, wir haben hier noch einen weiteren Erzählstrang um denjenigen, der – siehe Klappentext – die Sommerfrischler „mit argwöhnischen Augen beobachtet“, und um eine herumvagabundierende Kriminellenbande. Zwangsweise haben wir einen Showdown in der Villa, selbstredend wird der Fall gelöst; allerdings anders als ich es erwartet habe, und ganz am Ende haben wir einen Epilog, der mich dermaßen gefesselt hat, das ich mir diesen schon wieder als Prolog für einen komplett neuen Roman vorgestellt habe (ja! Ich will wissen, wie es mit dem Friedrich weitergeht! ). Also sehr cool alles.
Mein Fazit / Leseeindruck: Mich hat der Roman von der ersten Seite an abgeholt. Ich mochte den Teil um die Sommerfrischler sehr gerne lesen; hatte ich so nicht erwartet, hat mir aber echt gefallen, und ich mochte auch hier diesen sprachlich sehr eleganten Stil. Ich glaube zwar nicht, dass wirklich so elaboriert geplaudert wurde, vor allem nicht mehr nach mehreren Promillen 🙂 , aber es liest sich so schön, das war schlicht schön.
Der Krimi nahm nicht so viel Raum ein vergleichsweise, auch das hatte ich anders erwartet – aber es hat gepasst, für mich war das eine stimmige Mischung. Guter Spannungsbogen, für mich nahbare und authentische Charaktere, und vor allem auch durch die Sprache hatte ich das Gefühl, direkt in diese Zeit versetzt zu sein.
Hab ich so noch nie gelesen, fand ich super gelungen, und werde mal sehen, dass ich den Rest der Reihe auch noch lesen werde 😊.
Vielen Dank an den Verlag für das Rezensionsexemplar!