von Rebecca F. Kuang

erschienen bei Eichborn; 6. Aufl. 2023 Edition (28. April 2023)

Link zum Buch

Babel – der Roman, über den gefühlt seit letztem Jahr jeder im Internet redet; und ich habe ihn nun als Sonderausgabe von der Büchergilde Gutenberg in meiner Buchabobox gehabt. Hat mich sehr gefreut, und ich war neugierig. 730 Seiten fasst das Werk, es wird also episch.

So, und nachdem ich das Buch in relativ kurzer Zeit ausgelesen habe, bin ich immer noch irritiert, und tue mich schwer, hier drüber zu schreiben. Erstmal positiv: das Buch ist flott und flüssig geschrieben, hat sich sehr gut lesen lassen (zum Stil später noch mehr), und war auch mal mehr und mal weniger spannend. Aber was war das jetzt eigentlich? Der Verlag schreibt: “Der weltweite Bestseller über die Magie der Sprache und die Macht von Worten – der erfolgreichste phantastische Roman des Jahres 2022 endlich auf Deutsch“, und ja, das stimmt natürlich ausnahmslos. Es geht hier aber auch um die generelle Magie, wir sind also im Bereich der Phantastik, und irgendwie habe ich das nicht so erwartet. Bei allen möglichen Buchbesprechungen, die ich gelesen habe, ist das nie so explizit erwähnt worden. Und ich bin eigentlich nicht so der Phantastik-Fan.

Hier mal der Buchtrailer zur Einstimmung, entnommen bei Amazon:

Ok, ich glaube, ich beschreibe erstmal kurz den Inhalt. Wir sind in England im 19. Jahrhundert. Und eigentlich wird die Welt auch ziemlich genau so beschrieben, wie sie damals war mit allen möglichen Konnotationen zum Empire und dessen Politik. Das Element der Phantastik kriegt der Leser peu a peu serviert: alles (und damit meine ich wirklich alle Facetten des alltäglichen Lebens) funktioniert nur so reibungslos dank der allgegenwärtigen magischen Silberbarren. Die Kutschen fahren, weil sie silberverstärkt sind; die Gebäude sind stabil, weil Silber in ihnen verbaut wurde, und wen man sich einen magischen Silberbarren auf den kranken Leib legt, so steht der Genesung nichts mehr entgegen. Die Magie wird den Silberbarren im Turm Babel in Oxford von Gelehrten eingehaucht. Und jetzt wird es ein bisschen skurril, denn das Silberwerken ist eine Sache, die nur die Besten der besten Übersetzer können. Man muss schon ein paar Jahre Übersetzungen aller möglichen Sprachen studiert haben, um Magie zu wirken. Das wird sehr detailliert und mit Herzblut für Linguistik beschrieben, ich fand es eine interessante Idee, aber irgendwie, ja sehr skurril und merkwürdig.  Auf jeden Fall, man könnte also sagen, das gesamte Empire funktioniert nur, weil ein paar Gelehrte im Elfenbeinturm dafür sorgen, dass die Silberbarren da sind. Ja, und natürlich sind die Silbervorräte in England nicht unbegrenzt, weshalb man die Kolonien und andere Länder ausbeuten muss……

Das alles bildet den Hintergrund zu einer tragischen Geschichte um 4 Freunde, die sich in Oxford in Babel treffen. Da haben wir Robin: der als kleiner Junge aus Kanton nach England kam, um von seinem Vormund auf ein Leben in Oxford vorbereitet wurde. Ramy, aus Kalkutta, hat ein ähnliches Schicksal vorzuweisen. Zusammen mit Victoire aus Haiti und Letty, der einzigen Britin unter ihnen, bilden sie ein untrennbares Quartett. Ihr Ziel: ihr Studium in Oxford mit Auszeichnung zu bestehen, um Silberwerken zu dürfen, und somit das Empire zu stützen. Oder nicht? Denn damit würden zumindest Victoire, Ramy und Robin ihre Heimatländer weiter dem Kolonialismus anheimstellen…..

Man kann es sich schon denken, die Autorin setzt sich hier mit den Themen wirtschaftlicher Ausbeutung, britische Weltvorherrschaft, Kolonialismus und Rassismus auseinander, und teilweise mmN extrem ausufernd. Aber das gibt das grundsätzliche Setting ja auch her: 3 ausländische farbige Studenten im Oxford des 19. Jahrhunderts, 2 Frauen dabei (Victoire hat als schwarze Frau natürlich völlig die A+-Karte gezogen), da ist klar, es gibt Diskriminierung pur. Spannend, wie unsere Protagonisten damit umgehen.

Also man merkt es, der Roman ist extrem vielschichtig. Die Autorin nimmt sich aller möglichen Problematiken an, versucht einen Abenteuerroman zu schreiben (denn ja, es gibt durchaus auch so einiges an Action und Abenteuern, die die 4 Freunde bestehen müssen), und möchte uns auch ganz nebenbei Linguistik, Sprachgeschichte und Translatationstheorie nahebringen. Als Übersetzerin weiß die Autorin natürlich auch, wovon sie schreibt, aber das bläht den Roman natürlich auch auf. Und wenn mal wieder ausufernd über alte Sprachen und Übersetzungstheorie debattiert wird, weiß ich nicht, wie viele Leser hier nicht gleich abschalten. Ich habe mal ein paar Semester Romanistik studiert, ich fands okay, teils sogar interessant, aber da muss man wirklich ein Faible zu haben. Das war immer wieder special interest.

Insgesamt also keine wirklich leichte Kost. Und ich kann es immer noch nicht recht einordnen. Amazon sagt, das wäre historische Fantasy – habe ich noch nie gehört, und ich würde meinen, Fantasy geht anders. New Adult, der zweite Vorschlag von Amazon, trifft es auch Null – hier gibt’s keine Lovestory, und nur weil die Protagonisten jung sind, ist das noch lange kein NA.

Ich sag mal, das hier ist einfach anders. Ich habe es durchaus mit Interesse gelesen, teilweise aber auch mit Kopfschütteln. Es war mir vor allem am Ende zu viel Magie, und die Diskrepanzen der 4 Freund waren mir etwas zu platt. Es war zu viel Kritik an allem, es war mir im Gesamten echt zu negativ.

Ich verteile 3 Sterne. Kann man lesen, muss man nicht. Den Hype um das Buch finde ich ungerechtfertigt.

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